Merz verliert Halt in Land und Partei

Von Heinz Gerhard Schwind
merz-verliert-selbst-im-eigenen-lager-an-rückhalt

Die Zahlen sind für den Kanzler verheerend

Für Friedrich Merz wird die politische Lage zunehmend bedrohlich. Die aktuelle Umfrage zeichnet kein Bild eines angeschlagenen, aber noch tragfähigen Regierungschefs. Sie zeigt vielmehr einen Kanzler, dem das Vertrauen in breiten Teilen der Bevölkerung wegbrechen könnte. 68 Prozent der Deutschen wollen demnach nicht, dass Merz in der kommenden Legislaturperiode erneut Bundeskanzler wird. Nur 17 Prozent sprechen sich für eine weitere Amtszeit aus.

Schon diese Relation ist vernichtend. Zwischen Ablehnung und Zustimmung klafft eine Lücke von 51 Prozentpunkten. Für einen amtierenden Kanzler ist das kein bloßer Schönheitsfehler und auch kein normaler Stimmungsknick in schwierigen Zeiten. Es ist ein massives Misstrauensvotum.

Besonders unerquicklich für Merz ist, dass sich diese Ablehnung nicht nur auf politische Gegner beschränkt. Sie zieht sich quer durch fast alle Parteimilieus und frisst sich inzwischen sogar in sein eigenes Lager hinein. Genau das macht die Lage so gefährlich. Ein Kanzler kann mit harter Opposition leben. Wenn aber selbst die eigene Basis zu schwanken beginnt, wird aus einem Imageproblem schnell eine Autoritätskrise.

Selbst in der Union fehlt Merz die Rückendeckung

Am härtesten trifft den Kanzler der Blick auf die eigenen Anhänger. Unter den Unionswählern wollen 45 Prozent nicht, dass Merz in der nächsten Legislaturperiode noch einmal Kanzler wird. Nur 42 Prozent sind für ihn. Weitere 4 Prozent sagen, es sei ihnen egal, und 9 Prozent äußern keine Meinung.

Diese Zahlen sind politisch verheerend. Denn ein Kanzler der CDU, der nicht einmal unter den eigenen Anhängern eine klare Mehrheit hinter sich bringt, verliert an innerer Autorität. Er wirkt nicht wie eine unbestrittene Führungsfigur, sondern wie ein Regierungschef auf Abruf. Gerade in der Union, die traditionell stark auf Geschlossenheit und Führung setzt, ist das ein besonders schlechter Befund.

Die wichtigsten Werte im Unionslager:

  • 45 Prozent gegen eine weitere Kanzlerschaft von Merz
  • 42 Prozent für eine weitere Kanzlerschaft
  • 4 Prozent ist es egal
  • 9 Prozent ohne Meinung

Diese Verteilung zeigt vor allem eines: Merz ist nicht einmal mehr in seinem eigenen politischen Haus unangefochten.

Auch der Koalitionspartner trägt den Kanzler nicht

Nicht besser sieht es bei der SPD aus. Nur 22 Prozent der SPD-Anhänger sind für weitere vier Jahre unter Merz. 65 Prozent sind dagegen. Damit fehlt dem Kanzler auch im Lager des Koalitionspartners jede nennenswerte Begeisterung.

Das ist besonders brisant, weil eine Regierung nicht nur durch formale Mehrheiten lebt, sondern auch durch politische Tragfähigkeit. Wenn ein Kanzler selbst bei den Anhängern des Koalitionspartners so klar abgelehnt wird, dann wirkt die gesamte Regierungsbasis kraftlos. Aus einem Bündnis wird dann schnell eine Zweckgemeinschaft ohne Überzeugung.

Die Ablehnung zieht sich durch fast alle Parteien

Noch drastischer wird das Bild beim Blick auf die übrigen politischen Lager. Merz stößt praktisch überall auf massive Ablehnung. Die Umfragewerte in den einzelnen Parteimilieus sprechen eine klare Sprache:

  • AfD-Anhänger: 84 Prozent gegen Merz
  • Grünen-Anhänger: 74 Prozent gegen Merz
  • Linken-Anhänger: 88 Prozent gegen Merz
  • BSW-Anhänger: 89 Prozent gegen Merz
  • FDP-Anhänger: 74 Prozent gegen Merz

Diese Zahlen sind nicht bloß Ausdruck normaler parteipolitischer Gegnerschaft. Sie zeigen, dass Merz quer durch das politische Spektrum kaum Vertrauen mobilisieren kann. Er polarisiert nicht nur. Er verliert sichtbar an Akzeptanz.

Bei der Kanzlerfrage liegt ausgerechnet die AfD vorn

Besonders alarmierend für Union und Bundesregierung ist die Antwort auf die Frage, aus welcher Partei der nächste Kanzler kommen soll. Hier liegt die AfD mit 27 Prozent vorn. Dahinter folgen Union und SPD mit jeweils nur 13 Prozent. Die Grünen kommen auf 11 Prozent, die Linke auf 9 Prozent.

Die Übersicht im Einzelnen:

  • AfD: 27 Prozent
  • Union: 13 Prozent
  • SPD: 13 Prozent
  • Grüne: 11 Prozent
  • Linke: 9 Prozent

Für die Union ist das ein Alarmsignal ersten Ranges. Sie stellt den amtierenden Kanzler und kommt in dieser zentralen Machtfrage gerade einmal auf die Hälfte des AfD-Werts. Das ist politisch ein Offenbarungseid. Denn eine Partei, die den Kanzler stellt, aber bei der Kanzlerfrage so weit zurückliegt, verliert ihren Anspruch auf Führungsdominanz.

Die Parteibasen wollen ihre eigenen Leute, aber Merz profitiert kaum

Interessant ist auch der Blick auf die Wünsche innerhalb der einzelnen politischen Lager. Dort zeigt sich, dass viele Anhänger grundsätzlich einen Kanzler aus der eigenen Partei wollen. Die Werte lauten:

  • AfD-Anhänger: 88 Prozent für einen Kanzler aus der AfD
  • CDU/CSU-Anhänger: 67 Prozent für einen Kanzler aus der Union
  • SPD-Anhänger: 74 Prozent für einen Kanzler aus der SPD
  • Grünen-Anhänger: 72 Prozent für einen Kanzler aus den Grünen
  • Linken-Anhänger: 63 Prozent für einen Kanzler aus der Linken

Gerade für Merz ist dieser Vergleich unerquicklich. Denn obwohl 67 Prozent der Unionsanhänger grundsätzlich einen Kanzler aus der eigenen Partei wollen, fällt die persönliche Zustimmung zu ihm deutlich schwächer aus. Das heißt im Klartext: Viele in der Union wollen zwar einen CDU- oder CSU-Kanzler, aber offenbar nicht unbedingt Friedrich Merz. Genau darin liegt die eigentliche Gefahr.

Selbst die Brandmauer wirkt nicht mehr fest

Zusätzlich enthält die Umfrage einen weiteren hochbrisanten Punkt. Knapp ein Drittel der Befragten glaubt, dass die CDU künftig mit der AfD oder mit den Linken zusammenarbeiten werde. Nur 18 Prozent gehen davon aus, dass es mit keiner dieser beiden Parteien eine Kooperation geben wird.

Auch das ist ein schwerer Schlag für die Union. Denn es zeigt, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung der Partei ihre bisherigen Abgrenzungen nicht mehr wirklich glaubt. Die viel beschworene Brandmauer wirkt damit in den Augen vieler nicht mehr wie ein fester politischer Grundsatz, sondern wie eine unsichere Ankündigung auf Abruf.

Die Sonntagsfrage verschärft das Problem weiter

Parallel zur Kanzlerfrage verschiebt sich auch die allgemeine Parteienlandschaft weiter zulasten der Union. Im Vergleich zur vorherigen Insa-Sonntagsfrage ergibt sich folgendes Bild:

  • Union: 24 Prozent (minus 1 Prozentpunkt)
  • AfD: 26,5 Prozent (plus 0,5 Prozentpunkte)
  • Linke: 11 Prozent (plus 1 Prozentpunkt)
  • SPD: 14 Prozent
  • Grüne: 12,5 Prozent
  • FDP: 3,5 Prozent
  • BSW: 3,5 Prozent

Damit wird die Lage für Merz doppelt problematisch. Seine persönliche Position ist schwach, und zugleich verliert seine Partei weiter an Boden. Die AfD liegt nun sogar vor der Union. Das ist nicht nur ein schlechter Zwischenstand, sondern ein Angriff auf das politische Selbstverständnis der CDU als führende Kraft im bürgerlichen Lager.

Aus einer Schwäche wird ein Führungsproblem

Die Gesamtlage lässt sich kaum beschönigen. Die entscheidenden Werte sprechen für sich:

  • 68 Prozent der Deutschen gegen eine weitere Kanzlerschaft von Merz
  • nur 17 Prozent dafür
  • 45 Prozent der Unionsanhänger gegen Merz
  • nur 42 Prozent der Unionsanhänger für Merz
  • 27 Prozent wünschen sich einen Kanzler aus der AfD
  • nur 13 Prozent einen Kanzler aus der Union
  • die Union fällt auf 24 Prozent
  • die AfD steigt auf 26,5 Prozent

Das ist kein normales Stimmungstief mehr. Es ist das Bild eines Kanzlers, dessen politisches Fundament sichtbar bröckelt. Ein Regierungschef, der im Land breit abgelehnt wird und nicht einmal im eigenen Lager klar getragen ist, verliert nicht nur Popularität. Er verliert Führungskraft.

Merz steht politisch deutlich schwächer da als ein Kanzler sollte

Für Friedrich Merz ist diese Umfrage deshalb weit mehr als eine unangenehme Momentaufnahme. Sie zeigt einen Kanzler, der gleichzeitig an mehreren Fronten unter Druck gerät: in der Bevölkerung, in der Koalition, in der eigenen Partei und im Wettbewerb mit der AfD. Genau diese Ballung macht die Lage so heikel.

Denn politische Führung lebt von Vertrauen, Rückhalt und dem Gefühl, dass ein Kanzler sein Lager zusammenhält. Genau dieses Gefühl vermitteln die vorliegenden Zahlen gerade nicht. Sie zeichnen stattdessen das Bild eines Regierungschefs, der an Bindekraft verliert und dessen Anspruch auf eine zweite Kanzlerschaft für viele Wähler längst nicht mehr überzeugend wirkt.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Über uns

RMK Marketing Inc.
41 Lana Terrace, Mississauga, Ontario L5A 3B2, Kanada​

Besondere Beiträge

© Copyright 2024 Borse Market. All Rights Reserved.