Handelskonflikt könnte EU-Wirtschaft schwächen

Von Karin Gutmann
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Ein möglicher Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union hätte gravierende Folgen für die europäische Wirtschaft. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue wirtschaftliche Simulation, die die Auswirkungen eines 25-prozentigen US-Strafzolls auf europäische Produkte untersucht. Sollte die EU ihrerseits mit Gegenmaßnahmen reagieren, droht ein massiver Rückgang des transatlantischen Handels.

Exportverluste im großen Stil

Die zentrale Prognose ist alarmierend: Im Falle einer Eskalation würden die Ausfuhren der EU in die USA auf lange Sicht um bis zu 50 Prozent einbrechen. Damit wären nicht nur einzelne Branchen betroffen, sondern der gesamte europäische Binnenmarkt. Besonders deutlich würde sich der Rückgang in exportstarken Volkswirtschaften wie Deutschland niederschlagen.

Für die Bundesrepublik errechneten Ökonomen ein Absinken des Bruttoinlandsprodukts um 0,33 Prozent. Auf gesamteuropäischer Ebene würde das BIP um rund 0,25 Prozent schrumpfen.

Schlüsselbranchen im Visier

Die stärksten Einbrüche drohen in Sektoren, die traditionell besonders exportorientiert sind. Im Pharmabereich erwarten die Modellrechnungen ein Minus von 9,3 Prozent bei der Produktion. Im Bereich der Transportausrüstungen, zu denen unter anderem Eisenbahntechnik und Luftfahrttechnik zählen, ist mit einem Rückgang von 7,7 Prozent zu rechnen. Die Automobilindustrie – ohnehin im strukturellen Wandel – könnte mit einem Produktionsminus von 4,1 Prozent konfrontiert sein. Auch der Elektroniksektor müsste mit einem Rückgang von 2,3 Prozent leben.

Diese Zahlen zeigen die potenzielle Wucht wirtschaftspolitischer Entscheidungen, wenn sie auf global vernetzte Industrien treffen. „Ein Handelskonflikt in diesem Ausmaß würde die Wertschöpfungsketten erheblich stören“, heißt es in der Analyse.

Hintergrund: Trumps Ankündigungen

Hintergrund der Studie ist die politische Entwicklung in den USA. Präsident Donald Trump hatte in Aussicht gestellt, Importzölle auf Autos und andere Waren zu erhöhen, wenn diese nicht in den Vereinigten Staaten gefertigt werden. Diese Aussagen sorgten bereits in den vergangenen Tagen für Nervosität an den internationalen Finanzmärkten.

Zwar handelt es sich bislang nur um Ankündigungen, doch die europäische Seite bereitet sich offenbar auf mögliche Reaktionen vor. Ein pauschaler Zollsatz von 25 Prozent gilt als realistisches Szenario. In früheren Handelskonflikten, wie dem zwischen den USA und China, wurden ähnliche Maßnahmen umgesetzt.

Wirtschaftlicher Flurschaden

Neben den direkten wirtschaftlichen Effekten wäre auch mit langfristigen strategischen Folgen zu rechnen. Europa könnte gezwungen sein, seine Abhängigkeit vom US-Markt zu verringern. Zugleich wäre ein solcher Konflikt ein herber Rückschlag für die internationale Arbeitsteilung und den regelbasierten Welthandel.

Unternehmen in der EU müssten ihre Lieferketten umstrukturieren, alternative Märkte erschließen und womöglich Produktionsstandorte neu bewerten. Der wirtschaftliche Aufwand dafür wäre erheblich. Doch auch für die Vereinigten Staaten wären die Folgen nicht folgenlos – höhere Importpreise und eine Belastung der Konsumenten wären die Kehrseite der Abschottungspolitik.

Der drohende Handelskonflikt zwischen den USA und der EU birgt enorme Risiken. Ein gegenseitiger Zollschlagabtausch könnte nicht nur einzelne Branchen, sondern ganze Volkswirtschaften in Mitleidenschaft ziehen. Besonders betroffen wäre Deutschland als exportorientierte Industrienation.

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