Goldman Sachs steigert Profit trotz rückläufiger Erträge
Goldman Sachs hat zum Jahresende eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass das Institut von einer wieder anziehenden Aktivität an den Kapitalmärkten profitieren kann. Der Nettogewinn erhöhte sich im vierten Quartal um 12 Prozent auf 4,6 Milliarden US-Dollar, während das Ergebnis je Aktie bei 14,01 US-Dollar lag. Damit übertraf die Bank die Erwartungen vieler Marktbeobachter.

Auf der Umsatzseite zeigte sich allerdings ein differenziertes Bild. Die Gesamterträge sanken um 3 Prozent auf 13,45 Milliarden US-Dollar. Hauptgrund hierfür war die Abgabe des Apple-Kreditkartengeschäfts, das zwar strategisch sinnvoll erscheint, kurzfristig jedoch deutliche Spuren in der Bilanz hinterließ. Gleichzeitig unterstreichen die operativen Kennzahlen, dass das Kerngeschäft wieder an Fahrt aufnimmt: Die Einnahmen im Investmentbanking legten um 25 Prozent zu, getragen von einer höheren Zahl an Börsengängen, Kapitalerhöhungen und Beratungsmandaten. Das Handelsgeschäft wuchs um 19 Prozent, was auf eine erhöhte Marktvolatilität und lebhaftere Kundenaktivitäten zurückzuführen ist.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Einmaleffekt aus der Vereinbarung mit JPMorgan zur Übernahme des Apple-Kreditkartenportfolios. Dieser sorgte für einen positiven Beitrag von 0,46 US-Dollar je Aktie. Gleichzeitig belasteten Neubewertungen des Portfolios sowie der Deal selbst die Erträge mit 2,26 Milliarden US-Dollar. Entlastend wirkte dagegen die Auflösung von Kreditrisikovorsorgen in Höhe von 2,48 Milliarden US-Dollar, was auf eine verbesserte Einschätzung der Ausfallrisiken hinweist.
Morgan Stanley übertrifft Prognosen deutlich
Auch Morgan Stanley konnte zum Jahresende mit einer starken Ergebnisentwicklung überzeugen und die Markterwartungen klar hinter sich lassen. Der Nettogewinn stieg auf 4,4 Milliarden US-Dollar, nach 3,7 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal. Das Ergebnis je Aktie belief sich auf 2,68 US-Dollar, während Analysten im Konsens lediglich 2,43 US-Dollar erwartet hatten.

Die Gesamterträge erhöhten sich auf 17,9 Milliarden US-Dollar, verglichen mit 16,2 Milliarden US-Dollar ein Jahr zuvor. Besonders dynamisch entwickelte sich das Investmentbanking, dessen Einnahmen um 47 Prozent zulegten. Ausschlaggebend waren vor allem mehr Fusionen und Übernahmen, nachdem viele Unternehmen ihre strategischen Transaktionen zuvor aufgeschoben hatten.
Im Handelsgeschäft zeigte sich ein gemischtes Bild: Der Aktienhandel wuchs um 10 Prozent, während die Erträge im Geschäft mit festverzinslichen Produkten um 9 Prozent zurückgingen. Als stabiler Ertragspfeiler erwies sich erneut das Wealth Management, das seine Einnahmen um 13 Prozent steigern konnte. Die Sparte profitiert von steigenden Vermögenswerten, höheren Gebühreneinnahmen und einer wachsenden Kundenzahl im wohlhabenden Privatkundensegment.
Blackrock profitiert vom anhaltenden ETF-Boom
Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock setzte seinen Wachstumskurs fort und überraschte die Märkte mit einem über den Erwartungen liegenden Ergebnis. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 13,16 US-Dollar, während Analysten laut Marktdaten lediglich 12,21 US-Dollar prognostiziert hatten. Die Aktie legte im vorbörslichen Handel um 1,7 Prozent zu, was das Vertrauen der Anleger in das Geschäftsmodell widerspiegelt.

Besonders stark entwickelten sich die Mittelzuflüsse in börsengehandelte Fonds (ETFs). In Kombination mit der steigenden Nachfrage nach kostengünstigen Indexprodukten führte dies dazu, dass das von Blackrock verwaltete Vermögen auf einen neuen Rekordwert von 14,04 Billionen US-Dollar anwuchs. Der Konzern profitiert damit von einem langfristigen Strukturtrend: Immer mehr institutionelle Investoren und Privatanleger setzen auf passive Anlagestrategien, um Kosten zu senken und Marktrenditen effizient abzubilden.
Positive Signale für den gesamten Finanzsektor
Die aktuellen Zahlen von Goldman Sachs, Morgan Stanley und Blackrock zeichnen insgesamt ein konstruktives Bild für den US-Finanzsektor. Höhere Handelsvolumina, eine Belebung des Investmentbankings und anhaltende Kapitalzuflüsse in ETFs stützen die Ergebnisse. Gleichzeitig zeigen die Berichte, wie stark strategische Entscheidungen, Marktvolatilität und Einmaleffekte die Quartalszahlen beeinflussen können.
Zum Jahresbeginn richten sich die Blicke der Anleger nun verstärkt auf die Frage, ob sich diese Dynamik auch in den kommenden Quartalen fortsetzen lässt – insbesondere vor dem Hintergrund geldpolitischer Unsicherheiten, geopolitischer Risiken und einer möglichen Abkühlung der Weltkonjunktur.
