Krieg treibt Preise und frisst Kaufkraft

Von Heinz Gerhard Schwind
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Konflikt im Nahen Osten erschüttert Energiemärkte

Die militärische Eskalation rund um Iran hat inzwischen deutliche wirtschaftliche Folgen weit über die Krisenregion hinaus. Besonders die globalen Energiemärkte reagieren äußerst sensibel. Steigende Preise für Öl, Gas und Transportleistungen treffen nicht nur Industrie und Handel, sondern zunehmend auch private Haushalte.

An den deutschen Tankstellen zeigt sich die Entwicklung bereits klar. Der Preis für Diesel kletterte zeitweise auf über zwei Euro pro Liter. Auch Benzin verteuerte sich spürbar und lag etwa 12 Cent höher als zuvor. Für viele Pendler und Autofahrer bedeutet dies eine zusätzliche monatliche Belastung von 10 bis 20 Euro, abhängig von Fahrleistung und Fahrzeugverbrauch.

Solche Preisbewegungen entstehen häufig unmittelbar nach geopolitischen Schocks. Der Nahe Osten gehört zu den zentralen Regionen für die weltweite Energieversorgung. Sobald Lieferketten oder Transportwege gefährdet erscheinen, reagieren Rohstoffmärkte sofort.

Heizkosten und Gaspreise ziehen stark an

Auch bei der Wärmeversorgung zeigen sich erste Folgen. Der Preis für Heizöl lag zeitweise deutlich über dem Niveau der Vorwoche. Besonders Haushalte mit Ölheizung könnten bei der nächsten Bestellung spürbare Mehrkosten erleben.

Am europäischen Gasmarkt fiel die Reaktion noch drastischer aus. Der Preis für Erdgas stieg kurzfristig um etwa 30 Prozent. Obwohl viele Verbraucher durch langfristige Verträge zunächst geschützt sind, können solche Entwicklungen mittelfristig zu höheren Energieabrechnungen führen.

Energie ist einer der wichtigsten Kostentreiber in modernen Volkswirtschaften. Steigende Preise wirken sich deshalb nicht nur direkt auf Strom und Wärme aus, sondern auch auf Produktionskosten, Transportpreise und zahlreiche Dienstleistungen.

Lebensmittelpreise könnten deutlich steigen

Fachleute rechnen damit, dass die Verteuerung von Energie und Transport bald auch im Supermarkt sichtbar wird. Die Lebensmittelindustrie gehört zu den Branchen mit besonders hohem Energiebedarf.

Backöfen, Kühlanlagen, Trocknungsanlagen oder Abfüllanlagen verbrauchen große Mengen an Strom und Gas. Werden diese Ressourcen teurer, steigen zwangsläufig auch die Produktionskosten.

Boris Hedde, Geschäftsführer des Handelsforschungsinstituts IFH Köln, erklärte dazu:
„Konflikte dieser Art können über steigende Energie- und Logistikkosten auch Lebensmittel verteuern.“

Die Auswirkungen treten häufig zeitverzögert ein. Unternehmen versuchen zunächst, Kostensteigerungen intern auszugleichen. Hält der Preisdruck jedoch länger an, werden höhere Produktionskosten meist an den Handel und schließlich an Verbraucher weitergegeben.

Backwaren, Getränke und Fertigprodukte im Fokus

Besonders anfällig für Preiserhöhungen sind Produkte, bei denen Energie und Transport eine große Rolle spielen. Dazu zählen unter anderem Brot, Brötchen, Backwaren, Getränke, Süßwaren und Fertiggerichte.

Bäckereien betreiben ihre Produktionsanlagen häufig mit Gas. Steigen die Energiepreise dauerhaft, erhöht sich zwangsläufig auch der Preis für Backwaren. Branchenberichte halten eine Verteuerung von rund 10 Prozent für möglich. Ein Brötchen, das derzeit 50 Cent kostet, könnte dann etwa 55 Cent erreichen.

Auch Getränkehersteller und Lebensmittelproduzenten sind betroffen. Neben Energie spielen Verpackung, Transport, Kühlung und Rohstoffe eine zentrale Rolle. Steigende Kosten in diesen Bereichen wirken sich entlang der gesamten Lieferkette aus.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, zu deren Mitgliedern Unternehmen wie Coca-Cola, Danone, Ferrero, Haribo und Nestlé gehören, warnt bereits vor erheblichen Belastungen für die Branche. Verbandschef Christoph Minhoff sprach von einem möglichen „Kosten-Tsunami“, der durch steigende Energie- und Transportpreise ausgelöst werden könnte.

Gastronomie ebenfalls unter Druck

Auch Restaurants und Imbisse könnten ihre Preise anpassen müssen. Gastronomiebetriebe sind stark von Energiepreisen abhängig. Küchengeräte, Öfen, Kühlanlagen und Beleuchtung verursachen erhebliche Kosten.

Branchenexperten halten Preissteigerungen von 5 bis 10 Prozent für möglich. Eine Currywurst mit Pommes, die derzeit etwa 8 Euro kostet, könnte dann auf rund 8,80 Euro steigen. Auch Kaffee, Snacks oder einfache Gerichte könnten sich um 20 bis 30 Cent verteuern.

Für viele Betriebe kommt diese Entwicklung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Nach den Belastungen der Pandemie kämpfen zahlreiche Gastronomiebetriebe noch immer mit steigenden Personalkosten und sinkender Nachfrage.

Auch Industrieprodukte werden teurer

Steigende Energiepreise wirken sich nicht nur auf Lebensmittel aus. Auch energieintensive Industriezweige geraten zunehmend unter Druck. Produktion, Transport und Rohstoffverarbeitung werden teurer.

Der Handelsexperte Gerrit Heinemann weist darauf hin, dass selbst Haushaltsgeräte betroffen sein könnten. Ein Kühlschrank im Wert von etwa 600 Euro könnte sich demnach um 50 bis 60 Euro verteuern.

Solche Entwicklungen zeigen, wie stark Energiepreise als Multiplikator wirken. Sobald Energie, Rohstoffe und Logistik teurer werden, steigen in vielen Branchen automatisch auch die Endpreise.

Kaufkraft vieler Haushalte bereits geschrumpft

Für Verbraucher trifft diese Entwicklung auf eine ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage. Neue Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass viele Menschen in Deutschland in den vergangenen Jahren real an Kaufkraft verloren haben.

Zwischen 2020 und 2025 stiegen die Verbraucherpreise um 21,8 Prozent, während die Einkommen lediglich um etwa 11 Prozent zunahmen. Das mittlere Einkommen erhöhte sich in diesem Zeitraum von 26.008 Euro auf 28.913 Euro. Das durchschnittliche Einkommen stieg von 29.896 Euro auf 33.385 Euro.

Damit hat sich die Lücke zwischen Einkommen und Lebenshaltungskosten deutlich vergrößert.

Die Gründerin des Bündnis Sahra Wagenknecht, Sahra Wagenknecht, erklärte dazu:
„Die neuen Zahlen zeigen, dass die Mehrheit der Bürger seit Corona und Ukraine-Krieg erheblich an Wohlstand verloren hat. Das sind keine kleinen Einschnitte, sondern massive Kaufkraftverluste.“

Sie warnte zudem, dass neue Energiepreisschocks infolge des Konflikts im Nahen Osten weitere Belastungen für Verbraucher und Industrie verursachen könnten.

Inflationsrisiko wächst erneut

Ökonomen beobachten die Entwicklung mit wachsender Sorge. Sollte der Konflikt länger andauern, könnten steigende Energiepreise erneut eine Inflationswelle auslösen.

Historische Daten zeigen, dass geopolitische Krisen häufig mit höheren Preisen und schwächerem Wirtschaftswachstum einhergehen – selbst in Staaten, die nicht direkt am Konflikt beteiligt sind.

Für Verbraucher bedeutet das vor allem eines: Energiepreise wirken wie eine Kettenreaktion. Sie steigen zunächst an den Rohstoffmärkten, verteuern Treibstoff und Heizen – und erreichen schließlich Supermärkte, Restaurants und zahlreiche Alltagsprodukte.

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