Edelmetalle auf Höhenflug angesichts globaler Verunsicherung

Von Karin Gutmann
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Kapitalströme verlagern sich in sichere Häfen

An den internationalen Finanzmärkten zeichnet sich eine klare Verschiebung der Anlegerpräferenzen ab. In einem Umfeld wachsender geopolitischer Risiken und politischer Unruhe in den Vereinigten Staaten steigt die Nachfrage nach klassischen Absicherungsinstrumenten deutlich. Vor allem Gold rückt erneut ins Zentrum des Interesses und erreicht Preisregionen, die bislang als kaum vorstellbar galten.

Der Preis für eine Feinunze Gold überschritt zeitweise die Schwelle von 4600 US-Dollar und markierte damit ein neues Allzeithoch. Im weiteren Handelsverlauf lag die Notierung bei 4579 US-Dollar, was einem Tagesplus von 1,6 Prozent entspricht. Marktteilnehmer sprechen von einer ausgeprägten Fluchtbewegung aus riskanteren Anlageklassen.

Politische Risiken treiben Investoren in Deckung

Hinter dem kräftigen Preisanstieg stehen mehrere Belastungsfaktoren, die zeitgleich auf die Märkte wirken. Die angespannte Lage im Iran sorgt international für Nervosität, während in den USA innenpolitische Entwicklungen das Vertrauen in die Stabilität der Institutionen erschüttern. Besonders die Diskussionen rund um Ermittlungen gegen den amtierenden Vorsitzenden der US-Notenbank haben die Unsicherheit verstärkt.

Tim Waterer, Chef-Marktanalyst bei KCM Trade, bringt es auf den Punkt: „Die Entwicklungen im Iran sowie die juristischen Untersuchungen gegen den Fed-Chef haben die US-Terminkontrakte belastet. Für den Goldmarkt war das ein klares Kaufsignal.“ Sinkende Aktienfutures hätten unmittelbar zu einer Umschichtung in Edelmetalle geführt.

Zweifel an der geldpolitischen Stabilität

Zusätzlichen Druck erzeugen die Ermittlungen gegen Jerome Powell. Auch wenn konkrete Konsequenzen bislang offen sind, reicht allein die Unsicherheit über den Ausgang aus, um die Märkte zu verunsichern. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Aktien gerieten unter Druck, während Gold als wertstabile Alternative gesucht wurde.

Historisch betrachtet gelten solche Phasen institutioneller Zweifel als Nährboden für steigende Edelmetallpreise. Viele Investoren sehen Gold in dieser Situation erneut als Schutzschild gegen politische und geldpolitische Risiken.

Silber übertrifft Gold beim Tempo

Neben Gold sorgt vor allem Silber für Aufmerksamkeit. Die Feinunze verteuerte sich um 5,4 Prozent auf 83,26 US-Dollar. Zuvor hatte der Preis mit 84,58 US-Dollar ebenfalls einen neuen Rekordstand erreicht. Damit zeigt Silber aktuell eine deutlich dynamischere Entwicklung als Gold.

Soni Kumari, Rohstoffstrategin bei der ANZ Bank, sieht weiteres Aufwärtspotenzial: „Sollte die geopolitische Lage angespannt bleiben, könnte Silber schon bald in Richtung 90 Dollar je Unze laufen.“ Sie verweist darauf, dass Silber sowohl als Krisenabsicherung als auch als Industriemetall gefragt sei.

Platin und Palladium ziehen nach

Die positive Stimmung beschränkt sich nicht auf Gold und Silber. Auch andere Edelmetalle profitieren von der aktuellen Marktlage. Platin verteuerte sich um 3,5 Prozent auf 2351 US-Dollar, während Palladium ein Plus von 2,8 Prozent auf 1865 US-Dollar verbuchte. Investoren setzen zunehmend auf eine breite Streuung innerhalb des Edelmetallsektors.

Analysten sehen darin ein Zeichen für eine nachhaltigere Bewegung. Die Preisgewinne spiegeln weniger kurzfristige Spekulation wider als vielmehr eine strategische Neuausrichtung vieler Portfolios.

Edelmetalle als Barometer der Weltlage

Die jüngsten Kursentwicklungen machen deutlich, wie sensibel die Rohstoffmärkte auf politische und wirtschaftliche Unsicherheiten reagieren. Gold, Silber und Co. fungieren erneut als Gradmesser für das Vertrauen in die globale Ordnung. Solange geopolitische Konflikte ungelöst bleiben und Zweifel an der Stabilität zentraler Institutionen bestehen, dürfte die Nachfrage nach Edelmetallen hoch bleiben.

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