Dax verteidigt Rekordniveau trotz politischer Störfeuer

Von Karin Gutmann
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Aktienmarkt setzt Höhenflug mit Gegenwind fort

Der deutsche Aktienmarkt bleibt auf Erfolgskurs, auch wenn die Rahmenbedingungen zunehmend anspruchsvoller werden. Trotz der Eskalation der Lage im Iran sowie der wachsenden Spannungen zwischen US-Präsident Donald Trump und US-Notenbankchef Jerome Powell hielten sich die Kursdämpfer in engen Grenzen. Der Dax schob seine Bestmarke im Tagesverlauf weiter nach oben und erreichte mit 25.421,42 Punkten ein neues Allzeithoch.

Zum Handelsschluss behauptete sich der Leitindex mit einem Zuwachs von 0,6 Prozent und beendete den Tag bei 25.405 Punkten. Auch die europäischen Nachbarbörsen zeigten sich freundlich: Der EuroStoxx50 legte um 0,2 Prozent zu und notierte bei 6012 Zählern. Am Devisenmarkt präsentierte sich der Euro deutlich fester und stieg auf 1,1678 US-Dollar.

Geopolitik bremst – aber stoppt die Rally nicht

Die politischen Risiken hätten die Märkte durchaus stärker belasten können. Sowohl die Zuspitzung im Nahen Osten als auch der offen ausgetragene Konflikt zwischen dem Weißen Haus und der US-Notenbank sorgen international für Nervosität. Dennoch blieben viele Investoren investiert. Der Grund: Noch überwiegt die Erwartung, dass geldpolitische Lockerungen und solide Unternehmensgewinne die Aktienkurse weiter stützen.

In Frankfurt zeigte sich damit erneut die derzeitige Grundstimmung: Rückschläge werden bislang eher als Kaufgelegenheit genutzt denn als Anlass zur Flucht aus dem Markt.

Warnsignale aus der Charttechnik werden lauter

Mit jedem neuen Rekord wächst allerdings auch die Skepsis. Marktbeobachter verweisen zunehmend auf die technische Verfassung des Dax. Thomas Altmann, Portfoliomanager bei QC Partners, mahnt zur Vorsicht: „Der Markt ist aus technischer Sicht stark überdehnt. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Bewertungen noch durch Fundamentaldaten gedeckt sind.“

Altmann spricht von einer „entscheidenden Woche“, da nun die Berichtssaison für das vierte Quartal 2025 anläuft. In dieser Phase werde sich zeigen, ob die hohen Kurse durch steigende Gewinne legitimiert sind oder ob die Börse den Unternehmen zu weit vorausgeeilt ist.

Unternehmenszahlen rücken ins Zentrum

Die Erwartungen der Anleger sind entsprechend hoch. Nach dem starken Jahresauftakt sind positive Entwicklungen vielerorts bereits eingepreist. Enttäuschungen könnten daher rasch zu Gewinnmitnahmen führen. Umgekehrt könnten überzeugende Zahlen den Rekordlauf weiter anheizen.

In Marktkreisen kursieren bereits ambitionierte Szenarien. So halten einige Investoren Indexstände oberhalb von 26.000 Punkten im weiteren Jahresverlauf für erreichbar – vorausgesetzt, die globale Konjunktur bleibt stabil und die Gewinnentwicklung der Unternehmen bestätigt die Zuversicht.

Autobauer verlieren an Boden

Nicht alle Branchen profitieren jedoch vom positiven Gesamtbild. Besonders der Automobilsektor geriet unter Druck. Mercedes-Benz und Volkswagen verbuchten Kursabschläge von 1,2 Prozent beziehungsweise 1,3 Prozent und gehörten damit zu den schwächeren Werten im Dax.

Belastend wirkten vor allem US-Zölle sowie die anhaltende Nachfrageschwäche in China, einem Schlüsselmarkt für deutsche Hersteller. Beide Konzerne meldeten spürbare Absatzrückgänge in diesen Regionen. Zuwächse in anderen Absatzmärkten konnten die Einbußen nicht vollständig ausgleichen.

Währungs- und Zinsumfeld bleibt ein Schlüsselfaktor

Der festere Euro unterstreicht die zunehmende Unsicherheit über die künftige Geldpolitik in den USA. Der offene Schlagabtausch zwischen Donald Trump und Jerome Powell hat die Aufmerksamkeit der Anleger zusätzlich auf das Zinsumfeld gelenkt. Viele Marktteilnehmer rechnen weiterhin mit moderaten Zinsen, was Aktien gegenüber festverzinslichen Anlagen attraktiv hält.

Diese Mischung aus politischer Unsicherheit, geldpolitischen Hoffnungen und hoher Liquidität prägt derzeit das Börsengeschehen – und erklärt, warum Rückschläge bislang überschaubar bleiben.

Börse zwischen Zuversicht und Bewährungsprobe

Der Dax bewegt sich damit in einem Spannungsfeld aus Rekordständen und wachsenden Risiken. Einerseits sprechen robuste Marktbreite, Investitionsbereitschaft und das Zinsumfeld für weiter steigende Kurse. Andererseits nehmen geopolitische Konflikte, politische Eingriffe und Bewertungsfragen spürbar zu.

Ob der Leitindex seinen Höhenflug fortsetzen kann oder eine Phase der Konsolidierung einsetzt, dürfte sich in den kommenden Tagen entscheiden – mit den Unternehmensbilanzen als entscheidendem Prüfstein.

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