Historischer Auftritt vor geteiltem Plenum
Mit 1 Stunde und 47 Minuten hielt US-Präsident Donald Trump die bislang längste Rede zur Lage der Nation, die je ein amtierender Präsident vor dem Kongress gehalten hat. Der Auftritt am 24. Februar 2026 fand in einem politisch aufgeheizten Klima statt. Wenige Monate vor den entscheidenden Midterm-Wahlen im November stand Trump innenpolitisch unter Druck – nicht zuletzt wegen wirtschaftlicher Debatten und einer juristischen Niederlage vor dem Supreme Court.
In der ersten Reihe saßen die Richterinnen und Richter des höchsten Gerichts in schwarzen Roben, darunter Amy Coney Barrett. Sie blieben regungslos und demonstrativ neutral. Trump ließ sich davon nicht beeindrucken. Selbstbewusst trat er ans Rednerpult und eröffnete mit den Worten: „Unsere Nation ist zurück: größer, besser, reicher und stärker als je zuvor.“
Auf republikanischer Seite erhoben sich zahlreiche Abgeordnete unter lautem Applaus. „USA“-Rufe hallten durch den Plenarsaal. Die demokratische Fraktion blieb überwiegend sitzen.
Politische Spannungen und hitzige Momente
Der Abend war nicht frei von Kontroversen. Der demokratische Abgeordnete Al Green hielt ein Protestplakat hoch und wurde aus dem Saal geführt. Andere Parlamentarier wie Ilhan Omar oder Rashida Tlaib riefen dem Präsidenten Vorwürfe zu.
Trump konterte ruhig, manchmal mit einem Lächeln, manchmal mit scharfer Rhetorik. Als er erklärte: „Die erste Pflicht der amerikanischen Regierung ist es, amerikanische Bürger zu schützen, nicht illegale Einwanderer“, blieben viele Demokraten demonstrativ sitzen. Trump reagierte mit den Worten: „Sie sollten sich schämen.“ Seine Anhänger quittierten das mit Beifall.
Diese Szenen unterstrichen die tiefe politische Polarisierung – zugleich aber auch Trumps Fähigkeit, selbst in angespannten Situationen die Bühne zu dominieren.
Ein klarer Kurs in der Einwanderungspolitik
Ein zentrales Thema war erneut die Einwanderung. Trump stellte mehrere Gäste auf der Tribüne vor, darunter Angehörige von Gewaltopfern. Er verwies dabei auf seine verschärfte Grenzpolitik und sagte: „Wir schieben kriminelle illegale Einwanderer in Rekordzahlen ab – und wir werden sie verdammt noch mal schnell los.“
Sein Ziel sei es, durch neue Gesetze zusätzliche Anreize zur illegalen Migration zu beseitigen. Unter anderem fordert er strengere Regelungen beim Zugang zu staatlichen Leistungen und Führerscheinen.
Die republikanischen Abgeordneten unterstützten diese Linie geschlossen. Für seine Anhänger verkörpert Trump hier Entschlossenheit und Konsequenz.
Wirtschaftsdaten als Kern der Argumentation
Den größten Teil der Rede widmete Trump der wirtschaftlichen Entwicklung. Er zeichnete das Bild eines Landes im Aufschwung. „Noch nie in der Geschichte unseres Landes waren mehr Amerikaner in Arbeit als heute“, erklärte er. Zudem seien „2,4 Millionen Amerikaner“ nicht länger auf Lebensmittelmarken angewiesen.
Besonderen Stolz zeigte Trump beim Blick auf die Wall Street. Der Dow Jones habe die Marke von 50.000 Punkten überschritten – „vier Jahre früher als geplant“, so der Präsident. Tatsächlich profitieren viele Anleger von steigenden Kursen.
Auch auf die Wirkung seiner Handelspolitik ging Trump ein. „Die Zölle retten unser Land“, sagte er und verwies auf „Hunderte Milliarden Dollar“, die in die Staatskasse geflossen seien. Langfristig könnten diese Einnahmen sogar die Einkommenssteuer ersetzen und „den Menschen, die ich liebe, eine enorme finanzielle Last abnehmen“.
Bei der Inflation erklärte Trump: „Ihre Politik hat die Preise in die Höhe getrieben; unsere Politik beendet das jetzt rasend schnell.“ Zwar bleiben Lebenshaltungskosten vielerorts hoch, doch die jüngsten Inflationsdaten zeigen eine spürbare Abschwächung des Preisanstiegs.
Kampf gegen Betrug und Staatsverschuldung
Ein weiterer Schwerpunkt war die Haushaltspolitik. Trump kündigte einen „Krieg gegen Betrug“ an. Sein Vizepräsident JD Vance soll diese Initiative leiten. „Wenn wir genug von diesem Betrug aufdecken, dann haben wir über Nacht einen ausgeglichenen Haushalt“, versprach Trump.
Er sprach sich zudem für strengere Gesetze gegen Insiderhandel aus. In diesem Zusammenhang kritisierte er die Demokratin Nancy Pelosi. Seine Anhänger sehen darin den Versuch, politische und wirtschaftliche Eliten stärker zur Rechenschaft zu ziehen.
Inszenierung nationaler Einheit
Neben politischen Botschaften setzte Trump gezielt auf symbolische Gesten. Er ehrte verwundete Nationalgardisten und überreichte das Purple Heart. Den Täter eines Anschlags bezeichnete er als „Monster“. In einem anderen Moment würdigte er die Witwe des Aktivisten Charlie Kirk, der „für seinen Glauben zum Märtyrer geworden“ sei.
Außerdem stellte Trump das olympische Eishockey-Nationalteam vor. Dem Torwart kündigte er die Presidential Medal of Freedom an, die höchste zivile Auszeichnung der Vereinigten Staaten. Hier gab es parteiübergreifenden Applaus.
Zum Abschluss richtete der Präsident den Blick auf das Jahr 2026, in dem die USA ihren 250. Unabhängigkeitstag feiern werden. Er ehrte den Veteranen Buddy Taggart, der an diesem Tag seinen 100. Geburtstag begeht. „An diesem Abend sitzt er auf der Galerie und freut sich auf den 4. Juli 2026“, sagte Trump.
Wahljahr mit Signalwirkung
Die Rede war mehr als eine bloße Bestandsaufnahme. Sie war ein Signal an Wählerinnen und Wähler, Investoren und politische Gegner gleichermaßen. Trump präsentierte sich als entschlossener Führer in wirtschaftlich und gesellschaftlich herausfordernden Zeiten.
Ob seine optimistische Erzählung vom Aufschwung trägt, wird sich bei den Zwischenwahlen zeigen. Klar ist jedoch: Mit dieser Rekordrede hat Donald Trump erneut bewiesen, dass er die politische Bühne beherrscht und seine Kernbotschaften kraftvoll platzieren kann.
