Rekordniveau beim Vermögen deutscher Privathaushalte

Von Heinz Gerhard Schwind
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Finanzielle Rücklagen überschreiten erstmals zehn Billionen Euro

Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland hat eine neue Dimension erreicht. Erstmals summieren sich Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapiere und Versicherungsansprüche auf mehr als 10 Billionen Euro. Damit wurde 2025 eine historische Schwelle überschritten, die den langjährigen Vermögensaufbau der Bundesbürger eindrucksvoll widerspiegelt. Der Zuwachs ist das Ergebnis anhaltender Sparanstrengungen, aber zunehmend auch steigender Bewertungen an den Kapitalmärkten.

Nach einer Hochrechnung der DZ Bank stieg das nominale Geldvermögen im Jahr 2025 um rund sechs Prozent beziehungsweise knapp 600 Milliarden Euro auf etwa 10,03 Billionen Euro. Die Entwicklung setzt damit einen Trend fort, der sich bereits seit mehreren Jahren abzeichnet und trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten nicht abgerissen ist.

Auch 2026 weiteres Wachstum erwartet

Für das laufende Jahr rechnen Ökonomen mit einer Fortsetzung dieses Aufwärtstrends. Michael Stappel, Volkswirt bei der DZ Bank, geht davon aus, dass das Gesamtvermögen der privaten Haushalte 2026 um weitere fünf Prozent zulegen könnte. Unter dieser Annahme würde das Geldvermögen auf rund 10,5 Billionen Euro anwachsen.

Stappel betonte dabei wörtlich: „Die absolute Ersparnis der privaten Haushalte bleibt auf Vorjahresniveau.“ Zwar sei mit geringeren Kursgewinnen an den Börsen zu rechnen, doch allein der hohe Ausgangsbestand sorge dafür, dass selbst moderatere Renditen zu erheblichen Vermögenszuwächsen führen.

Sparen bleibt fest im Alltag verankert

Trotz steigender Preise, geopolitischer Unsicherheiten und konjunktureller Schwächen halten viele Menschen in Deutschland an einem vorsichtigen Umgang mit ihrem Geld fest. Konsumausgaben werden häufig verschoben, während Rücklagen Priorität behalten.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Sparquote im ersten Halbjahr 2025 bei 10,3 Prozent. Das bedeutet, dass von jeweils 100 Euro verfügbarem Einkommen im Durchschnitt 10,30 Euro gespart wurden. Umgerechnet entspricht dies einem monatlichen Betrag von rund 270 Euro je Einwohner. Für das Gesamtjahr schätzt die DZ Bank die Sparquote auf 10,4 Prozent – etwas niedriger als im Vorjahr, aber weiterhin auf einem international hohen Niveau.

Zunehmende Bedeutung der Kapitalmärkte

Gleichzeitig verändert sich die Art des Vermögensaufbaus langsam. Zwar halten viele Haushalte weiterhin einen großen Teil ihres Geldes auf Tagesgeld- oder Girokonten, deren Verzinsung zuletzt wieder nachgelassen hat. In Phasen höherer Inflation bedeutet dies jedoch einen realen Kaufkraftverlust.

Immer mehr Anleger überwinden daher ihre traditionelle Zurückhaltung gegenüber Aktien. Wer diesen Schritt gegangen ist, konnte 2025 bereits zum dritten Mal in Folge von kräftigen Kursgewinnen profitieren. Nach Berechnungen der DZ Bank steuerten Wertsteigerungen bei Aktien und Fonds rund 290 Milliarden Euro zum Vermögenswachstum der privaten Haushalte bei.

Im internationalen Vergleich bleibt Deutschland dennoch vorsichtig. In Ländern wie den USA ist der Anteil von Aktieninvestitionen deutlich höher, was dort langfristig zu dynamischeren Vermögensentwicklungen führt.

Vermögen bleibt sehr ungleich verteilt

Die beeindruckende Gesamtsumme verdeckt erhebliche Unterschiede zwischen den Haushalten. Frühere Analysen der Deutschen Bundesbank zeigen, dass rund 50 Prozent des gesamten Geldvermögens auf die reichsten zehn Prozent der Haushalte entfallen, das sind etwa vier Millionen Haushalte. Diese Gruppe profitiert besonders stark von Kapitalmarkterträgen, da sie überdurchschnittlich häufig in Aktien und Fonds investiert.

Am anderen Ende der Skala stehen rund 20 Millionen Haushalte, auf die lediglich acht Prozent des gesamten Geldvermögens entfallen. Diese verfügen meist über geringe Rücklagen und nutzen renditestärkere Anlageformen deutlich seltener.

Zusammensetzung und Datengrundlage

In die Berechnungen fließen Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapiere wie Aktien und Investmentfonds sowie Ansprüche aus Versicherungsverträgen ein. Immobilienvermögen bleibt unberücksichtigt. Die endgültigen Zahlen für das vierte Quartal 2025 wird die Bundesbank voraussichtlich Ende April veröffentlichen.

Schon jetzt zeigt sich jedoch klar: Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland wächst weiter. Getragen wird diese Entwicklung von hoher Sparneigung, zunehmender Kapitalmarktbeteiligung und der schieren Größe des bereits vorhandenen Vermögensbestands.

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