Wegovy-Streit belastet Novo und treibt Hims-Aktie

Von Karin Gutmann
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Günstige Semaglutid-Pille bringt Juristen in Stellung

Der dänische Arzneimittelhersteller Novo Nordisk kündigt an, gegen ein neues Angebot der US-Gesundheitsplattform Hims & Hers Health vorzugehen. Anlass ist die Vermarktung einer Nachahmung der Wegovy-Pille, die laut dem US-Unternehmen denselben Wirkstoff Semaglutid enthalten soll. Novo Nordisk sieht dadurch nicht nur wirtschaftliche Interessen berührt, sondern stellt den Vorgang als Frage der Sicherheit und der Regeln im Arzneimittelmarkt dar.

In einer Erklärung machte Novo Nordisk deutlich, dass der Konzern den Schritt von Hims & Hers nicht akzeptieren will. Der Vorwurf zielt auf die Art der Herstellung und die Dimension der Abgabe. Wörtlich teilte Novo Nordisk mit: „Hims & Hers verwende eine illegale Massen-Rezeptur, die ein erhebliches Risiko für die Patientensicherheit darstelle.“ Der Konzern kündigte zugleich an, rechtlich und gegenüber Aufsichtsstellen aktiv zu werden. Dazu erklärte Novo Nordisk: „Novo Nordisk werde rechtliche und regulatorische Schritte einleiten, um Patienten, sein geistiges Eigentum und die Integrität des US-Zulassungsrahmens für Arzneimittel zu schützen.“

Die Formulierungen zeigen, dass Novo Nordisk den Konflikt nicht als reine Preis- oder Marketingfrage versteht. Der Konzern verbindet den Schutz von Patienten mit dem Schutz von geistigem Eigentum und mit dem Anspruch, die Funktionsfähigkeit des US-Systems zur Arzneimittelzulassung und -kontrolle zu wahren. Konkrete Details zu Klageort oder Zeitplan wurden in der Mitteilung nicht genannt, die Stoßrichtung aber ist eindeutig: Novo Nordisk will den Markteintritt in dieser Form verhindern oder zumindest bremsen.

Preissignal von 49 US-Dollar erhöht den Wettbewerbsdruck

Hims & Hers Health setzte mit seiner Ankündigung vor allem auf das Argument der Erschwinglichkeit. Das Unternehmen erklärte, Nachahmungen der Wegovy-Pille ab sofort anzubieten – und nannte dafür einen Einführungspreis von 49 US-Dollar pro Monat. Damit positioniert sich Hims & Hers als Anbieter, der den Zugang zu medikamentösen Angeboten über Telemedizin und digitale Gesundheitsservices vereinfachen will.

Für Novo Nordisk ist dieser Schritt aus mehreren Gründen heikel. Zum einen wird das Segment der Abnehmmedikamente als stark nachgefragt wahrgenommen, zum anderen sind Originalpräparate im Markt deutlich höher bepreist. Der niedrige Monatspreis setzt damit ein sichtbares Marktsignal: Hims & Hers versucht, Nachfrage über Kosten und Verfügbarkeit anzuziehen – und greift damit eine Produktkategorie an, die für Novo Nordisk strategisch und finanziell besonders relevant ist.

Dass Hims & Hers ausdrücklich den Wirkstoff Semaglutid nennt, verschärft die Lage zusätzlich. Wegovy basiert ebenfalls auf Semaglutid, wodurch aus Sicht des Originalherstellers Fragen der Abgrenzung, der Rechte und der Einhaltung regulatorischer Standards sofort in den Mittelpunkt rücken. Novo Nordisk formuliert dabei nicht nur wirtschaftliche Bedenken, sondern stellt die Sicherheitsdimension in den Vordergrund – insbesondere mit Blick auf Herstellung und Kontrolle der angebotenen Nachahmung.

Novo Nordisk setzt auf Regulierung und Schutzrechte

Novo Nordisk begründet sein Vorgehen mit zwei Kernargumenten: dem Hinweis auf Risiken für die Patientensicherheit und dem Schutz von geistigem Eigentum. Der Konzern kritisiert vor allem die Produktion als großflächige Rezepturherstellung. Der Begriff „Massen-Rezeptur“ deutet darauf hin, dass Novo Nordisk eine Grenzüberschreitung sieht: weg von individueller, medizinisch begründeter Anfertigung hin zu einem standardisierten Angebot in größerem Umfang.

Zusätzlich verweist Novo Nordisk auf die „Integrität“ des US-Zulassungsrahmens. Damit rückt der Konzern die Frage in den Vordergrund, wie Arzneimittel mit erheblicher Marktrelevanz im Rahmen der geltenden Regeln in Umlauf gebracht werden dürfen. Novo Nordisk kündigt an, auf mehreren Ebenen vorzugehen: juristisch und regulatorisch. Diese Kombination ist in Konflikten rund um Nachahmungen besonders wirkungsvoll, weil sie sowohl den Marktzugang als auch die Kommunikation und die operative Abgabe betreffen kann.

Die öffentliche Linie bleibt jedoch bewusst allgemein: Novo Nordisk spricht von bevorstehenden Schritten, ohne den genauen Weg zu beschreiben. Dadurch bleibt offen, ob zunächst Abmahnungen, Verfahren oder Eingaben bei zuständigen Stellen im Vordergrund stehen. Klar ist lediglich, dass Novo Nordisk den Fall als grundsätzliches Thema behandelt – und nicht als Randphänomen im Wettbewerb.

Kursreaktionen spiegeln Nervosität und Erwartungen wider

Die Börsen reagierten prompt auf die Eskalation. In Kopenhagen gerieten die Aktien von Novo Nordisk deutlich unter Druck und fielen um rund 10 Prozent. Auch im US-Handel zeigten sich vor Börsenstart klare Abschläge: Die in den USA gelisteten Novo-Nordisk-Titel lagen vorbörslich bei minus 6,5 Prozent.

Bei Hims & Hers Health war das Bild umgekehrt. Der Markt bewertete die angekündigte Expansion in das Segment der Abnehmmedikamente zunächst positiv: Die Aktie gewann vorbörslich rund 13 Prozent. Die Bewegung zeigt, wie stark Investoren den potenziellen Umsatzhebel eines günstigen Angebots einschätzen – auch wenn gleichzeitig rechtliche Risiken sichtbar werden.

Damit entsteht eine Spannung, die über die Tagesreaktion hinausreichen kann. Sollte Novo Nordisk mit seinen angekündigten Maßnahmen schnell Wirkung erzielen, könnte dies das Geschäftsmodell von Hims & Hers in diesem Bereich beeinträchtigen. Umgekehrt könnte ein verzögertes oder begrenztes Eingreifen bedeuten, dass sich der Preisdruck im Markt ausweitet. Der Ausgang hängt damit nicht nur von Nachfrage und Preis ab, sondern auch davon, wie die angekündigten „rechtlichen und regulatorischen Schritte“ tatsächlich umgesetzt werden – und wie tragfähig das Angebot der Nachahmung in der Praxis ist.

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