Produktivitätsschub verändert Kostenstruktur der Vereinigten Staaten von Amerika
Die US-Wirtschaft hat im dritten Quartal einen deutlichen Effizienzgewinn erzielt. Nach Angaben des US-Arbeitsministeriums legte die Arbeitsproduktivität außerhalb der Landwirtschaft gegenüber dem Vorquartal auf annualisierter Basis um 4,9 Prozent zu und traf damit exakt die Prognosen der Ökonomen. Zugleich wurde der Wert für das zweite Quartal spürbar nach oben revidiert: Statt eines ursprünglich gemeldeten Plus von 3,3 Prozent weist die Statistik nun einen Anstieg um 4,1 Prozent aus.

Parallel dazu entwickelten sich die Lohnstückkosten überraschend günstig. Im dritten Quartal sanken sie um 1,9 Prozent, während der Rückgang im Vorquartal nachträglich sogar auf 2,9 Prozent korrigiert wurde. Fachleute hatten lediglich mit einem Minus von 0,4 Prozent gerechnet. Die Zahlen deuten darauf hin, dass Unternehmen ihre Produktionsprozesse deutlich effizienter gestalten und damit Kosten senken konnten.
Rüstungswerte legen kräftig zu trotz schwacher Indizes
An der Wall Street zeigte sich insgesamt eine vorsichtigere Stimmung. Nach den jüngsten Höchstständen gaben die großen Indizes leicht nach. Der Dow-Jones-Index fiel im frühen Handel um 0,1 Prozent auf 48.929 Punkte, der S&P 500 rutschte ebenfalls um 0,1 Prozent ab, während der Nasdaq Composite ein Minus von 0,2 Prozent verzeichnete.
Davon unbeeindruckt präsentierten sich jedoch die US-Rüstungsaktien. Nach deutlichen Verlusten am Vortag kam es zu einer markanten Erholung. Auslöser waren widersprüchliche, aber zugleich richtungsweisende Aussagen von US-Präsident Donald Trump. Er kündigte an, Dividenden und Aktienrückkäufe bei Rüstungsunternehmen einschränken zu wollen, da diese seiner Ansicht nach Investitionen behinderten. Gleichzeitig stellte er jedoch in Aussicht, den US-Verteidigungshaushalt bis 2027 auf 1,5 Billionen US-Dollar anzuheben.

Anleger konzentrierten sich vor allem auf diese langfristige Perspektive. Die Aktien von Lockheed Martin sprangen um 9,1 Prozent nach oben, Northrop Grumman gewannen 8,7 Prozent. Der Markt wertete die Aussicht auf höhere Staatsausgaben als entscheidenden Wachstumstreiber für die Branche.
Rekordstart des Dow Jones trifft auf erhöhte Unsicherheit
Trotz kurzfristiger Schwächephasen bleibt der übergeordnete Trend an den US-Börsen positiv. Der Dow Jones hat zum Jahresauftakt 2026 ein neues Allzeithoch erreicht und damit seine starke Entwicklung bestätigt. Unterstützt wird diese Bewegung durch robuste Unternehmensgewinne, steigende Produktivität und einen weiterhin stabilen Binnenkonsum.
Gleichzeitig warnen Marktbeobachter vor möglichen Rückschlägen. Das neue Börsenjahr gilt als anfällig für stärkere Schwankungen, da geopolitische Spannungen, politische Eingriffe und geldpolitische Weichenstellungen jederzeit für Verunsicherung sorgen können. Nach der langen Rekordserie sind die Bewertungen in einigen Marktsegmenten ambitioniert, was die Sensibilität für negative Nachrichten erhöht.
Handelsbilanz der USA überrascht mit deutlicher Entlastung
Auch außenwirtschaftlich setzte die US-Wirtschaft ein Ausrufezeichen. Das Handelsdefizit schrumpfte im Oktober erheblich und lag nach vorläufigen Berechnungen bei 29,35 Milliarden US-Dollar. Im Vormonat hatte der Fehlbetrag noch 48,14 Milliarden US-Dollar betragen. Volkswirte hatten sogar mit einem Defizit von 58,40 Milliarden US-Dollar gerechnet.
Ausschlaggebend war eine Kombination aus steigenden Ausfuhren und rückläufigen Einfuhren. Die Exporte erhöhten sich um 2,6 Prozent auf 302,02 Milliarden US-Dollar, während die Importe um 3,2 Prozent auf 331,37 Milliarden US-Dollar sanken. Damit verbesserte sich die Handelsbilanz deutlich – ein Ergebnis, das die wirtschaftspolitischen Ziele von Donald Trump unterstützt, der den Abbau des Defizits wiederholt betont hat.
In der Gesamtschau zeigt sich eine US-Wirtschaft, die von Effizienzgewinnen, einer lebhaften Verteidigungsindustrie, starken Aktienmärkten und einer spürbaren Entlastung im Außenhandel geprägt ist – auch wenn politische Eingriffe und globale Risiken weiterhin für Unsicherheit sorgen.
