Iran im Ausnahmezustand: Berichte über massive Opferzahlen

Von Heinz Gerhard Schwind
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Sicherheitsapparat geht mit extremer Härte vor

Im Iran eskaliert die Gewalt gegen die eigene Bevölkerung. Seit Wochen breiten sich Proteste über nahezu alle Landesteile aus, und das Regime reagiert mit kompromissloser Repression. Was zunächst als Ausdruck wirtschaftlicher Verzweiflung begann, hat sich zu einer landesweiten Erhebung gegen das autoritäre Herrschaftssystem entwickelt. Aus dem weitgehend isolierten Land dringen inzwischen Berichte nach außen, die auf ein erschreckendes Ausmaß an Toten und Verletzten hindeuten.

Nach aktuellen Angaben der Menschenrechtsorganisation HRANA sind bislang mindestens 538 getötete Demonstrierende namentlich erfasst worden. Menschenrechtsaktivisten betonen jedoch, dass diese Zahl lediglich einen Bruchteil der Realität abbildet. Viele Todesfälle könnten bislang weder dokumentiert noch gemeldet worden sein.

Exil-Experten sprechen von tausenden Opfern

Eine Gruppe iranischer Wissenschaftler im Ausland hat eigene Berechnungen angestellt, gestützt auf interne Krankenhausinformationen. Ihren Schätzungen zufolge könnten bis zu 6000 Menschen bereits ums Leben gekommen sein. Besonders alarmierend sind Berichte aus Nadschafabad in der Provinz Isfahan, wo allein 35 Protestierende getötet worden sein sollen. Angesichts einer Einwohnerzahl von rund 235.000 Menschen wird dieses Vorgehen als gezielte Einschüchterung bewertet.

Die Proteste erfassen nach Angaben von Aktivisten inzwischen alle Provinzen des Landes. Bei fast 90 Millionen Einwohnern spricht vieles dafür, dass sich der Konflikt zu einer landesweiten Systemkrise ausgeweitet hat. Augenzeugen sprechen offen von einem „Massaker“, das darauf abziele, jede weitere Mobilisierung brutal zu unterbinden.

Internetsperre verhindert Informationsfluss nur teilweise

Um Berichte über das Vorgehen der Sicherheitskräfte zu unterdrücken, hat die Führung den Zugang zum Internet fast vollständig gekappt. Dennoch gelangen weiterhin Bilder und Videos über Satellitenverbindungen ins Ausland. Auf mehreren Aufnahmen ist zu sehen, wie bewaffnete Einheiten von Lastwagen und Geländewagen aus mit automatischen Waffen auf Menschenmengen feuern.

Besonders erschütternd sind Hinweise auf provisorische Leichenlager. In kursierenden Videos sollen Hunderte Leichensäcke nebeneinander aufgereiht sein. Internationale Medien berichten übereinstimmend von Aufnahmen aus Teheran, auf denen mindestens 180 Leichensäcke gezählt wurden, während weitere Fahrzeuge mit Toten eintrafen.

Justiz greift zu Todesurteilen als Abschreckung

Neben der offenen Gewalt auf den Straßen setzt das Regime zunehmend auf juristische Einschüchterung. Aktivisten berichten von geplanten Hinrichtungen festgenommener Demonstranten. Besonders bekannt wurde der Fall Erfan Soltani, der nach seiner Festnahme lediglich zehn Minuten Abschied von seiner Familie nehmen durfte. Seine Exekution sei in der Stadt Karadsch vorgesehen.

Die Revolutionsgarden rechtfertigen das Vorgehen mit dem Vorwurf, die Proteste seien von Israel und den USA gesteuert. Ein Vertreter der Garden erklärte im staatlichen Fernsehen wörtlich, wer sich an den Demonstrationen beteilige, müsse damit rechnen, „eine Kugel abzubekommen“.

Auch innerhalb der Sicherheitskräfte hohe Verluste

Die Eskalation fordert nicht nur unter Zivilisten Opfer. Nach Einschätzung des Institute for the Study of War wurden seit Beginn der Unruhen am 28. Dezember mindestens 114 Angehörige der Revolutionsgarden, der Basidsch-Milizen und der Polizei getötet. Beobachter verweisen darauf, dass es bei früheren Protestwellen nie vergleichbar hohe Verluste innerhalb des Machtapparates gegeben habe.

Ausgangspunkt der aktuellen Protestbewegung war ein Streik von Ladenbesitzern im Teheraner Basar. Innerhalb weniger Tage weitete sich der Widerstand auf zahlreiche Städte und Regionen aus und entzog sich zunehmend der Kontrolle des Staates.

Justizchef kündigt harte Vergeltung an

Irans Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi verschärfte die Rhetorik weiter. Im staatlichen Rundfunk forderte er „entschlossene und wirksame Maßnahmen zur Vergeltung“ für getötete Sicherheitskräfte. Personen, die Polizei oder staatliche Einrichtungen angegriffen hätten, müssten vorrangig vor Gericht gestellt werden. Kritiker sehen darin die Vorbereitung weiterer Todesurteile.

Regime setzt auf Machtdemonstrationen

Parallel versucht die Führung, Stärke zu zeigen. Der staatliche Rundfunk sendet Bilder von regimetreuen Kundgebungen, bei denen Teilnehmer Fahnen schwenken und Porträts getöteter Sicherheitskräfte präsentieren. Diese Inszenierungen stehen im deutlichen Widerspruch zu den Berichten über überfüllte Krankenhäuser und improvisierte Leichenhallen.

Seit mehr als zwei Wochen hält der Aufstand an. Beobachter sprechen von den schwersten Unruhen seit Jahren. Bereits im Herbst 2022 erschütterten Demonstrationen unter dem Slogan „Frau, Leben, Freiheit“ das Land. Damals reagierte der Staat mit mindestens zwölf Hinrichtungen.

Heute deutet vieles darauf hin, dass das Regime erneut auf maximale Gewalt setzt, um seine Macht zu sichern – trotz der wachsenden Zahl an Toten und der zunehmenden internationalen Aufmerksamkeit.

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