US-Regierung verschärft Ton gegenüber Verbündeten
Die Regierung der Vereinigten Staaten beharrt weiterhin auf ihrem Anspruch, Grönland unter amerikanischen Einfluss zu bringen, und sorgt damit für zunehmende Spannungen innerhalb der NATO. Während aus dem Weißen Haus erneut auch militärische Mittel zumindest theoretisch nicht ausgeschlossen wurden, betonen andere Vertreter der Administration, dass Washington offiziell auf Verhandlungen und vertragliche Lösungen setze. Die widersprüchlichen Signale stoßen in Europa auf wachsende Skepsis.
Die Sprecherin von US-Präsident Donald Trump, Karoline Leavitt, erklärte, der Präsident lasse derzeit mehrere Handlungsoptionen prüfen. Dabei machte sie deutlich, dass auch das Militär nicht grundsätzlich ausgeschlossen sei. Wörtlich sagte sie: „Der Präsident und sein Team erörtern verschiedene Wege, um dieses außenpolitische Ziel zu erreichen, und selbstverständlich steht dem Oberbefehlshaber der Einsatz des US-Militärs jederzeit als Option zur Verfügung.“
Venezuela als politischer Bezugspunkt
Nach Einschätzung von Beobachtern sieht sich Donald Trump durch das jüngste Vorgehen der USA in Venezuela bestätigt. Die Festnahme und Entmachtung von Nicolás Maduro habe dem Präsidenten gezeigt, dass entschlossenes Handeln internationale Wirkung entfalten könne. Aus dem Umfeld des Weißen Hauses heißt es, Washington wolle seine Stellung in der westlichen Hemisphäre langfristig absichern und ausbauen.
Diese Argumentation stößt in Europa auf deutliche Kritik. Die britische Tageszeitung Times stellte klar: „Grönland ist nicht Venezuela.“ Der Sturz eines autoritären Machthabers dürfe nicht mit der Infragestellung der territorialen Integrität eines demokratischen Bündnispartners gleichgesetzt werden. Weiter hieß es: „Die USA haben kein Recht, ihre Ziele mit Gewalt oder der Androhung von Gewalt durchzusetzen.“
Fokus auf Verhandlungen und Vertragsmodelle
Trotz der scharfen Rhetorik aus dem Umfeld des Präsidenten verweisen ranghohe US-Beamte auf diplomatische Alternativen. Diskutiert würden sowohl ein direkter Erwerb von Dänemark als auch ein sogenanntes Compact of Free Association (COFA), ein besonderes Assoziierungsabkommen, das den USA weitreichende Rechte einräumen würde, ohne formell die Souveränität aufzuheben.
Ein hochrangiger Vertreter der US-Regierung betonte: „Diplomatie ist immer die erste Wahl des Präsidenten. Er ist ein Mann der Geschäfte.“ Diese Linie bestätigte auch US-Außenminister Marco Rubio, der zugleich als Nationaler Sicherheitsberater fungiert. In einer vertraulichen Sitzung mit Abgeordneten habe Rubio erklärt, die jüngsten Drohungen seien nicht als unmittelbare Vorbereitung einer militärischen Invasion zu verstehen. Ziel bleibe ein Kauf oder eine vertragliche Einigung.
Drohkulisse als politisches Druckmittel
US-Medien berichten, dass Donald Trump seine Berater erneut angewiesen habe, einen aktualisierten Plan für einen möglichen Erwerb Grönlands auszuarbeiten. Bereits während seiner ersten Amtszeit hatte der Präsident ähnliche Vorstellungen öffentlich geäußert.
Das Wall Street Journal wertete die martialischen Aussagen als strategisches Kalkül. Die Zeitung schrieb: „Die Invasionsrhetorik ist vermutlich Trumpsches Säbelrasseln, um Verhandlungen über einen Kauf oder eine erweiterte US-Präsenz anzustoßen.“ Gleichzeitig warnte das Blatt, schon die bloße Andeutung militärischer Gewalt schade den transatlantischen Beziehungen erheblich.
Europäische Regierungen ziehen klare Grenzen
Dänemark reagierte mit ungewöhnlicher Deutlichkeit auf die Aussagen aus Washington. Ministerpräsidentin Mette Frederiksen erklärte: „Wenn die USA ein anderes NATO-Land angreifen, dann hört alles auf.“ Ein solcher Schritt würde aus ihrer Sicht das westliche Verteidigungsbündnis und die seit 1945 bestehende Sicherheitsarchitektur zerstören.
In einer gemeinsamen Stellungnahme betonten Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen und Spanien, dass Grönland ausschließlich den Grönländern gehöre. Wörtlich hieß es: „Es ist allein Sache Dänemarks und Grönlands, über Angelegenheiten zu entscheiden, die Dänemark und Grönland betreffen.“ Auch die Regierung in Nuuk lehnte amerikanische Besitzansprüche entschieden ab. Auf der Insel leben rund 57.000 Einwohner.
Kritik auch im US-Parlament
Nicht nur in Europa regt sich Widerstand. Im US-Kongress äußerten sich die Senatoren Jeanne Shaheen und Thom Tillis, Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses, kritisch. Sollten Dänemark und Grönland eindeutig erklären, dass die Insel nicht zum Verkauf stehe, müssten die Vereinigten Staaten ihre vertraglichen Verpflichtungen respektieren und die Souveränität des Königreichs Dänemark achten.
Geostrategische Rolle der Arktis wächst
Donald Trump verweist bei seinen Forderungen regelmäßig auf sicherheitspolitische Erwägungen. Entlang der Küsten Grönlands beobachte man verstärkte Aktivitäten russischer und chinesischer Schiffe. Es gehe nicht um Rohstoffe oder Öl, so der Präsident, sondern um nationale Sicherheit.
Unbestritten ist jedoch, dass Grönland durch den Klimawandel strategisch an Bedeutung gewinnt. Das Abschmelzen des Eises öffnet neue Routen für die zivile und militärische Schifffahrt. Zudem werden auf der größten Insel der Welt Vorkommen wichtiger Rohstoffe vermutet, darunter Seltene Erden, die für Smartphones, Elektroautos, Windkraftanlagen und Computertechnik unverzichtbar sind.
Bestehende militärische Präsenz der USA
Die Vereinigten Staaten sind auf Grönland bereits seit Jahrzehnten militärisch präsent. Grundlage ist ein Verteidigungsabkommen aus dem Jahr 1951, das den USA umfangreiche Nutzungsrechte einräumt. In Pituffik, rund 1.500 Kilometer nördlich von Nuuk, betreibt das US-Militär einen Stützpunkt mit Raketenwarnsystemen sowie Einrichtungen zur Raketenabwehr und Weltraumüberwachung.Grönland war bis 1953 eine Kolonie Dänemarks und erhielt ab 1979 schrittweise mehr Autonomie. Heute verfügt die Insel über weitgehende Selbstverwaltungsrechte, während Außen- und Verteidigungspolitik weiterhin in Kopenhagen entschieden werden. Über das Königreich Dänemark ist Grönland zugleich Teil der NATO.
