Ab Juli 2027 greift in der Eurozone ein neues Regelwerk, das den Umgang mit Bargeld grundlegend verändert. Größere Barzahlungen werden stark eingeschränkt, anonyme Transaktionen praktisch beendet. Die EU verweist auf den Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Kritische Stimmen sehen darin hingegen einen weiteren Schritt zur systematischen Zurückdrängung des Bargelds.
Neue Schwellenwerte setzen klare Grenzen
Im Mittelpunkt der Reform steht eine verbindliche Obergrenze von 10.000 Euro. Unternehmen und Selbstständige dürfen im Geschäftsverkehr künftig keine Barzahlungen mehr annehmen oder leisten, die diesen Betrag überschreiten. Die Regel gilt EU-weit und ohne nationale Ausnahmen.
Schon ab 3.000 Euro greifen verschärfte Pflichten. Barzahlungen bleiben zwar möglich, lösen jedoch Identifikations- und Dokumentationsanforderungen aus. Verkäufer müssen die Identität der Käufer feststellen und die relevanten Daten erfassen.
Ende der Anonymität bei größeren Bargeschäften
Mit den neuen Vorgaben fällt die Anonymität bei höheren Bargeldbeträgen weg. Kunden müssen sich ab 3.000 Euro eindeutig ausweisen, etwa mit Personalausweis oder Reisepass. Bei auffälligen Transaktionen oder erhöhtem Risiko können zusätzliche Belege verlangt werden, insbesondere zur Herkunft der Mittel.
Die im Zuge der Identifizierung erhobenen Informationen sind bis zu fünf Jahre aufzubewahren. Für Händler und Selbstständige bedeutet dies einen spürbaren Anstieg des administrativen Aufwands.
Private Großkäufe ohne Sonderbehandlung
Auch im privaten Bereich sieht die EU keine Sonderregelungen. Immobilien können bereits seit 2023 nicht mehr bar bezahlt werden. Beim Edelmetallkauf gilt seit 2020 eine Grenze: Anonyme Bartransaktionen über 2.000 Euro sind untersagt.
Eine der wenigen verbleibenden Ausnahmen betrifft den Autokauf. Fahrzeuge mit einem Wert von mehr als 10.000 Euro dürfen weiterhin bar bezahlt werden, sofern es sich nicht um einen gewerblichen Zahlungsvorgang handelt.
Sicherheitsargumente als offizielle Begründung
Rechtsgrundlage der Neuregelung ist die EU-Geldwäscheverordnung 2024/1624. Die EU-Kommission betont, Bargeld spiele bei illegalen Finanzströmen weiterhin eine Rolle und müsse daher stärker reguliert werden.
Zeitgleich stärkt die EU ihre institutionellen Kapazitäten. Mit der Anti-Money Laundering Authority (AMLA) entsteht eine zentrale Aufsichtsinstanz zur Koordinierung der Geldwäschebekämpfung.
AMLA nimmt zentrale Rolle ein
Die AMLA mit Sitz in Frankfurt am Main nahm am 1. Juli 2025 ihre Arbeit auf. Bis Ende 2027 soll die Behörde mit mehreren hundert Beschäftigten vollständig arbeitsfähig sein. Vorgesehen ist auch die direkte Beaufsichtigung ausgewählter Finanzinstitute.
Die Behörde erarbeitet verbindliche Standards und Empfehlungen, die in allen Mitgliedstaaten gelten sollen. Kritiker befürchten, dass die AMLA die Durchsetzung der Bargeldbeschränkungen maßgeblich vorantreibt.
Politischer Gegenwind aus mehreren Ländern
Deutliche Kritik kommt aus Teilen der Politik, insbesondere von Parteien wie der FPÖ in Österreich und der AfD in Deutschland. Peter Boehringer, stellvertretender Bundessprecher der AfD, stellt die offizielle Begründung infrage. Die „Bekämpfung von Terrorismus und organisierter Kriminalität“ sei ein „Vorwand“, um Barzahlungen weiter einzuschränken.
Boehringer erklärte wörtlich: „Scheibchenweise werden die Barzahlungsmöglichkeiten immer geringer.“ Und weiter: „So verliert man Freiheit in kleinen Scheiben, doch am Ende steht ganz gewiss der gläserne Bürger.“ Er kritisierte zudem, dass der Deutsche Bundestag an der Entscheidung nicht beteiligt gewesen sei.
Digitaler Euro rückt näher
Parallel zur Bargeldregulierung schreitet die Digitalisierung des Finanzsystems voran. Die EU-Kommission arbeitet gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank unter Führung von Christine Lagarde an der Einführung des digitalen Euro. Die Vorbereitungsphase lief von November 2023 bis Oktober 2025, seit November 2025 werden technische Grundlagen geschaffen.
Bei Annahme der entsprechenden Verordnung durch den EU-Rat, über die im Mai abgestimmt wird, könnte der digitale Euro vor 2030 Realität werden.
Rückbau der Bargeldversorgung beschleunigt sich
Gleichzeitig schrumpft die physische Bargeldinfrastruktur. In Deutschland ist die Zahl der Bankfilialen seit 2004 stark zurückgegangen. Laut Bundesbank reduzierten große Banken ihr Netz um rund 9.800 Standorte. Heute sind nur noch etwa 18 Prozent des damaligen Filialbestands in Betrieb.
Auch bei Geldautomaten zeigt sich der Trend. Ende 2023 betrieben die Sparkassen noch rund 21.000 Automaten, etwa 4.500 weniger als 2018. Insgesamt gab es 2023 fast 10.000 Automaten weniger als 2015.
Bedenken wegen Kontrolle und Eingriffen
Kritische Stimmen warnen, dass die Kombination aus Bargeldbeschränkungen, digitalem Euro und schrumpfender Infrastruktur die finanzielle Anonymität erheblich einschränkt. Vollständig nachvollziehbare Transaktionen könnten staatliche Kontrolle erleichtern. In der Debatte werden auch Risiken wie Diskriminierung, Sanktionen oder Eingriffe in Vermögen thematisiert.
