EU-Analyse sieht Europas Wirtschaft im Nachteil

Von Heinz Gerhard Schwind
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Ein neuer Bericht von EU-Experten schlägt Alarm: Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Europas gerät zunehmend unter Druck. Nach Einschätzung der EU-Kommission verliert der Kontinent im globalen Wettbewerb an Boden. Sowohl äußere Einflüsse als auch hausgemachte Probleme schwächen die industrielle Basis. Die Folgen sind laut Analyse bereits sichtbar und reichen von Stellenabbau im produzierenden Gewerbe bis zur Stilllegung von Produktionsstandorten. Die Kommission sieht dringenden politischen Handlungsbedarf.

Industrie verliert an Substanz und Bedeutung

In der Untersuchung heißt es unmissverständlich:
Durch äußeren Druck und interne Hemmnisse erodiert die industrielle Basis Europas, was Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe kostet und zur Schließung von Fabriken führt. Es besteht akuter Handlungsbedarf auf nationaler und europäischer Ebene.

Die EU-Experten stellen fest, dass europäische Industrieunternehmen zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen. Hohe Kosten, regulatorische Komplexität und ein schwieriges geopolitisches Umfeld verschärfen die Lage. Besonders klassische Industriezweige geraten dadurch immer stärker ins Hintertreffen.

Binnenmarkt bleibt hinter seinem Potenzial zurück

Ein zentrales Problem sieht der Bericht im unzureichend funktionierenden EU-Binnenmarkt. Trotz jahrzehntelanger Integration bestehen weiterhin zahlreiche Hindernisse. Dazu zählen unterschiedliche nationale Regelwerke, Einschränkungen im Warenverkehr sowie aufwendige Verfahren zur Anerkennung von Berufsabschlüssen über Ländergrenzen hinweg.

Diese Fragmentierung führe dazu, dass Unternehmen zusätzliche Kosten tragen müssen und Investitionen verzögert werden. Nach Einschätzung der Kommission hemmt dies Innovationen und schwächt die Attraktivität Europas als Wirtschaftsstandort.

Rückläufiger Binnenhandel als deutliches Warnsignal

Besonders besorgniserregend ist aus Sicht der EU der nachlassende Handel zwischen den Mitgliedstaaten. Der Anteil des innergemeinschaftlichen Handels am EU-Bruttoinlandsprodukt sank von 23,5 Prozent im Jahr 2023 auf 22,0 Prozent im Jahr 2024.

Dieser Rückgang gilt als Indikator dafür, dass der Binnenmarkt seine Rolle als Wachstumsmotor zunehmend verliert. Die Kommission warnt, dass ein schwächerer innereuropäischer Austausch langfristig das wirtschaftliche Fundament der Union untergräbt.

Langsamere Standardisierung bremst Unternehmen aus

Auch die Entwicklung einheitlicher EU-Standards bereitet den Experten Sorgen. Die Dauer zur Ausarbeitung gemeinsamer Normen für Waren stieg auf durchschnittlich 4 Jahre im Jahr 2024, nachdem sie 2023 noch 3,2 Jahre betragen hatte.

Diese Verzögerung erschwert es Unternehmen, Produkte europaweit schnell einzuführen. Besonders in technologiegetriebenen Branchen bedeutet dies einen Wettbewerbsnachteil gegenüber Anbietern aus anderen Weltregionen, die schneller auf Marktveränderungen reagieren können.

Private Investitionen gehen deutlich zurück

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Investitionstätigkeit. Private Investitionen erreichten 2024 nur noch 17,6 Prozent des EU-BIP, nachdem sie 2023 bei 18,6 Prozent gelegen hatten. Öffentliche Investitionen blieben mit 3,7 Prozent des BIP stabil, konnten den Rückgang jedoch nicht ausgleichen.

Die EU-Kommission führt diese Entwicklung auf eine anhaltende Unsicherheit über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie auf eine sinkende internationale Wettbewerbsfähigkeit zurück. Viele Unternehmen verschieben langfristige Projekte oder reduzieren ihre Investitionspläne deutlich.

EU fordert entschlossene Reformen

Aus Sicht der Kommission ist die Lage ernst. Ohne strukturelle Reformen drohe Europa weiter zurückzufallen. Gefordert werden ein konsequenter Abbau bestehender Hürden im Binnenmarkt, schnellere Entscheidungsprozesse und verlässlichere Rahmenbedingungen für Unternehmen.

Die Analyse macht deutlich, dass die Sicherung der industriellen Basis und eine Stärkung der Investitionsbereitschaft zentrale Voraussetzungen sind, um Europas wirtschaftliche Position langfristig zu stabilisieren.

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