Deutsche Börse verdient prächtig an der Nervosität

Von Heinz Gerhard Schwind
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Kursschwankungen sorgen für einen starken Jahresauftakt

Die Deutsche Börse hat zum Jahresbeginn deutlich von der Unruhe an den Finanzmärkten profitiert. Während geopolitische Spannungen, schwankende Kurse und die Sorge vor einer möglichen Ölknappheit viele Unternehmen belasten, erwiesen sich genau diese Turbulenzen für den Frankfurter Börsenbetreiber als klarer Geschäftsvorteil. Wo Unsicherheit wächst, steigt an den Märkten meist auch der Bedarf an Absicherung, Handel und Risikoausgleich. Genau daraus hat die Deutsche Börse im ersten Quartal spürbar Kapital geschlagen.

Die Geschäftszahlen fallen entsprechend robust aus. Der Umsatz stieg um 11 Prozent auf 1,82 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen legte um 10 Prozent auf gut eine Milliarde Euro zu. Unter dem Strich stand ein Nettogewinn von 585 Millionen Euro, also ebenfalls ein Plus von 11 Prozent. Damit ist der Konzern sehr kräftig ins neue Jahr gestartet und zeigt einmal mehr, dass ein Börsenbetreiber in Krisenzeiten oft besser verdient als in ruhigen Marktphasen.

Die Unsicherheit im Nahen Osten wird zum Ertragsfaktor

Ein wesentlicher Auslöser für die starke Entwicklung war die militärische Zuspitzung im Nahen Osten. Die Angst vor einer Störung der Energieversorgung und vor knapper werdendem Öl ließ die Nervosität an den Märkten anziehen. Für klassische Industrieunternehmen ist so etwas problematisch. Für einen Handelsplatz wie die Deutsche Börse kann es dagegen äußerst profitabel sein.

Denn mit wachsender Unsicherheit steigt die Aktivität vieler Marktteilnehmer. Anleger wollen Portfolios absichern, Unternehmen wollen Risiken begrenzen, Händler suchen nach Schutz vor Preisbewegungen oder wollen von diesen Bewegungen profitieren. Genau dieses Umfeld sorgt für mehr Transaktionen und damit für mehr Einnahmen bei einem Konzern, der am Handel und an der Absicherung verdient.

Aktien und Anleihen wurden stärker abgesichert

Besonders gefragt waren nach Angaben des Unternehmens Absicherungsprodukte für Aktien und Anleihen. Gerade in einem Umfeld volatiler Märkte steigt der Bedarf an Instrumenten, mit denen Investoren Kursrisiken begrenzen oder gezielt auf Marktveränderungen reagieren können.

Hier zeigt sich die Stärke des Geschäftsmodells der Deutschen Börse sehr deutlich. Das Unternehmen profitiert nicht nur dann, wenn die Märkte steigen, sondern auch dann, wenn sie unruhig und schwer kalkulierbar werden. Für Börsenbetreiber zählt vor allem die Aktivität. Und wenn Marktteilnehmer unter Druck geraten, handeln sie in der Regel mehr und nicht weniger. Das macht Krisen für solche Häuser geschäftlich oft besonders lukrativ.

Auch Strom und Gas wurden intensiver gehandelt

Ein weiterer Schub kam aus dem Handel mit Strom und Gas. Auch dort nahm die Aktivität merklich zu. Das ist wenig überraschend. Wenn Energiepreise unter dem Eindruck geopolitischer Risiken plötzlich stärker schwanken, wächst automatisch der Bedarf an Preisabsicherung und an zusätzlichem Handel.

Gerade im Energiesektor können politische Spannungen binnen kürzester Zeit große Ausschläge verursachen. Wer in diesem Bereich tätig ist, versucht dann verstärkt, sich gegen neue Preissprünge zu schützen oder Marktbewegungen aktiv zu nutzen. Für die Deutsche Börse bedeutet das zusätzliche Erträge in einem Bereich, der in Krisenzeiten schnell an Bedeutung gewinnt.

Nicht jede Sparte legte zu

Trotz des starken Gesamtbildes verlief das Quartal nicht in allen Bereichen positiv. Belastend wirkte sich das gesunkene Zinsumfeld aus. Dadurch fiel das Ergebnis aus der Anlage von Kundengeldern, also aus dem Treasury-Geschäft, niedriger aus. Dieser Bereich brachte noch 204 Millionen Euro, nachdem es im Vorjahr 230 Millionen Euro gewesen waren.

Das ist ein spürbarer Rückgang. Er zeigt, dass auch die Deutsche Börse nicht völlig frei von Gegenwind ist. Sinkende Zinserträge treffen gerade jene Geschäftsbereiche, die von der Verwaltung und Anlage kurzfristig verfügbarer Gelder leben. Allerdings wurde dieser Rückgang durch die sehr starke Handelsaktivität mehr als ausgeglichen.

Die Zahlen treffen die Erwartungen des Marktes

Auffällig ist, dass die Ergebnisse im Rahmen der Erwartungen lagen. Das bedeutet, dass der Markt offenbar bereits damit gerechnet hatte, dass die Deutsche Börse in einem von Krisen und Volatilität geprägten Quartal besonders gut abschneiden würde.

Gerade das unterstreicht, wie klar das Profil des Unternehmens inzwischen ist. Die Deutsche Börse wird an der Börse selbst längst als Konzern wahrgenommen, dessen Geschäft in unruhigen Zeiten zusätzliche Stärke entwickeln kann. Während andere Unternehmen unter der Unsicherheit leiden, steigert der Börsenbetreiber seine Erträge, weil Marktstress fast automatisch mehr Geschäft erzeugt.

Finanzchef Schulte sieht den Konzern auf Kurs

Entsprechend zuversichtlich äußerte sich Finanzchef Jens Schulte. Er bekräftigte die Jahresprognose und sagte: „Mit diesem guten Jahresauftakt sind wir voll auf Kurs, unsere ambitionierten Ziele für das Gesamtjahr zu erreichen.“

Diese Aussage ist mehr als ein Standardsatz. Sie zeigt, dass das Unternehmen den starken Jahresbeginn nicht nur als günstige Momentaufnahme wertet, sondern als belastbare Grundlage für den weiteren Jahresverlauf. In einem wirtschaftlich unsicheren Umfeld ist das ein wichtiges Signal an Anleger und Marktbeobachter.

Das Geschäftsmodell profitiert dort, wo andere leiden

Der starke Start der Deutschen Börse zeigt sehr klar, wie besonders dieses Geschäftsmodell funktioniert. Viele Unternehmen leiden unter Krisen, Unsicherheit, Energieängsten und Kursschwankungen. Für den Börsenbetreiber können genau diese Faktoren jedoch zu zusätzlichem Wachstum führen.

Das erste Quartal liefert dafür die Zahlen:

  • Umsatz: 1,82 Milliarden Euro
  • Umsatzplus: 11 Prozent
  • Ebitda: gut 1 Milliarde Euro
  • Ebitda-Plus: 10 Prozent
  • Nettogewinn: 585 Millionen Euro
  • Gewinnplus: 11 Prozent
  • Treasury-Ergebnis: 204 Millionen Euro nach zuvor 230 Millionen Euro

Diese Werte machen deutlich, dass die Deutsche Börse aus der Marktunruhe klare wirtschaftliche Vorteile gezogen hat.

Krisen und Volatilität bleiben für die Börse ein Geschäft

Der Jahresauftakt zeigt damit erneut, dass ein Börsenkonzern nicht nach denselben Regeln funktioniert wie Industrie, Handel oder Konsumgüterunternehmen. Wo andere unter geopolitischen Spannungen und unberechenbaren Märkten leiden, entstehen für einen Handelsplatz neue Ertragschancen. Mehr Absicherungsbedarf, mehr Aktivität bei Aktien, Anleihen sowie im Energiehandel, dazu hohe Nervosität im Markt: Für die Deutsche Börse war genau diese Mischung im ersten Quartal ein kräftiger Wachstumstreiber.

Die Zahlen zeigen deshalb nicht nur einen guten Start, sondern auch eine nüchterne Wahrheit über das Geschäft des Konzerns: Je größer die Unsicherheit an den Märkten, desto besser laufen oft die Geschäfte in Frankfurt.

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