Technologiewerte unter Druck halten Anleger in Wartestellung

Von Heinz Gerhard Schwind
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Nach den deutlichen Verlusten im weltweiten Technologiesektor zeigen sich Europas Börsen zur Wochenmitte weiterhin vorsichtig. Die jüngsten Fortschritte im Bereich der Künstlichen Intelligenz haben bei Investoren Sorgen ausgelöst, dass etablierte Softwareanbieter Marktanteile verlieren könnten. Entsprechend verhalten fällt die Stimmung an den Aktienmärkten aus, während klare Impulse fehlen.

Leichte Abschläge bei den wichtigsten Indizes

Der deutsche Leitindex Dax bewegt sich im frühen Handel bei rund 24.753 Punkten und damit leicht im Minus. Auch der europäische Leitindex EuroStoxx50 gibt nach und verliert etwa 0,3 Prozent auf 5.118 Punkte. Nach den starken Schwankungen der vergangenen Tage suchen viele Marktteilnehmer zunächst Orientierung.

Jochen Stanzl, Chefanalyst der Consorsbank, erklärte dazu:
Die Befürchtung, dass immer leistungsfähigere KI-Anwendungen etablierten Softwareunternehmen Kunden abnehmen könnten, sorgt bei vielen Anlegern für erhöhte Vorsicht.
Zusätzlich belaste dies den Dax, „weil SAP lange Zeit eine tragende Rolle im Index gespielt hat“.

Ruhiger Start nach turbulentem Vortag

Zum Handelsbeginn zeigte sich der Dax zeitweise im Bereich von 24.860 Punkten. Am Dienstag hatte der Index zunächst deutlich zugelegt, die Gewinne jedoch im Verlauf wieder abgegeben und schließlich bei 24.781 Punkten geschlossen.

Uneinheitliche Signale aus den internationalen Märkten verhindern derzeit eine klare Richtung. Viele Investoren halten sich zurück, bis sich ein stabilerer Trend abzeichnet.

US-Börsen suchen Stabilität

In den USA wird für den Mittwoch ein nahezu unveränderter Handelsstart erwartet. Nach dem kräftigen Rücksetzer vom Vortag versuchen sich die Märkte zu konsolidieren. Besonders der Softwarebereich hatte zuletzt stark nachgegeben und den gesamten Technologiesektor belastet.

Auslöser waren Kursverluste bei Unternehmen, die im Bereich Datenverarbeitung und Analyse tätig sind. Diese Entwicklung zog zahlreiche weitere Tech-Werte mit nach unten.

Neuer KI-Fortschritt als Belastungsfaktor

Für die Verunsicherung sorgte eine Ankündigung des KI-Unternehmens Anthropic. Der Konzern präsentierte Erweiterungen für seinen Chatbot Claude, mit denen das Sprachmodell für juristische Analysen eingesetzt werden kann. Das neue Modul ermöglicht es, große Datenmengen auszuwerten und komplexe Aufgaben automatisiert zu bearbeiten.

Marktbeobachter sehen darin einen potenziellen Wettbewerber für bestehende Analyse-Software. Entsprechend gerieten Aktien aus diesem Segment unter starken Verkaufsdruck.

Sorge vor Umbruch im Softwaremarkt

Viele Anleger fürchten, dass klassische Softwarelösungen in Teilen durch KI-basierte Anwendungen ersetzt werden könnten. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, müssten zahlreiche Anbieter ihre Geschäftsmodelle anpassen.

Die jüngsten Kursverluste spiegeln diese Befürchtungen wider. Besonders betroffen sind Unternehmen, deren Kerngeschäft stark von Datenanalyse und Unternehmenssoftware abhängt.

Asiatische Börsen reagieren ebenfalls zurückhaltend

Auch die Aktienmärkte in Asien folgen der schwachen internationalen Vorgabe. Die Sorgen über mögliche Verdrängungseffekte durch KI belasten die Stimmung.

Der japanische Nikkei-Index verliert 0,6 Prozent und fällt auf 54.390,11 Punkte. Der breiter gefasste Topix kann sich dem Abwärtstrend teilweise entziehen und legt 0,2 Prozent zu. Der Shanghai Composite bewegt sich kaum verändert.

Unterschiedliche Auswirkungen im KI-Sektor

Ben Bennett, Anlagestratege für Asien bei L&G Asset Management, fasst die Lage so zusammen:
Der Handel rund um KI teilt sich zunehmend in Gewinner und Verlierer auf. Die Unsicherheit im Softwarebereich hält weiter an.

Einige Unternehmen profitieren stark von den neuen Technologien, während andere unter zunehmendem Wettbewerbsdruck stehen.

Anleger bleiben defensiv positioniert

Angesichts der unklaren Lage agieren viele Marktteilnehmer vorsichtig. Erst wenn deutlicher wird, welche Unternehmen nachhaltig von KI profitieren und welche Geschäftsmodelle unter Druck geraten, dürfte sich die Stimmung stabilisieren.

Bis dahin bleibt mit erhöhten Schwankungen an den Börsen zu rechnen.

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