Kanadas Premierminister Carney bekräftigt klare Haltung
Der kanadische Premierminister Mark Carney sorgt weiterhin für internationale Aufmerksamkeit. In einer bemerkenswerten Rede beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos kritisierte Carney die wachsende Tendenz der Großmächte, kleinere Nationen wirtschaftlich unter Druck zu setzen. Dabei erwähnte er den US-Präsidenten Donald Trump zwar nicht namentlich, doch seine Botschaft traf eine empfindliche Stelle. Carney betonte, dass Kanada sich längst auf den Wandel in der US-amerikanischen Handelspolitik eingestellt habe und als eines der ersten Länder auf diese Veränderungen reagierte.
Widerspruch zwischen Carney und US-Finanzminister Bessent
Trotz der klaren Botschaft Carneys gab es Rückmeldungen aus Washington. Scott Bessent, der US-Finanzminister, behauptete, Carney habe sich in einem Telefonat mit Donald Trump von seinen Äußerungen distanziert. Carney selbst widersprach dieser Darstellung vehement. „Ich habe gemeint, was ich in Davos gesagt habe“, betonte Carney auf einer Pressekonferenz in Ottawa. Dies sei eine klare Reaktion auf die Handels- und Außenpolitik der USA, die seiner Meinung nach immer mehr kleinere Staaten herausfordere.
Kanadas Strategie der Diversifikation
Im Zuge seiner Bemerkungen äußerte Carney den Wunsch, den Handel Kanadas weniger von den USA abhängig zu machen. Aktuell fließen mehr als 75 Prozent der kanadischen Exporte in die USA. Carney strebt an, diese Zahl in den kommenden Jahren deutlich zu reduzieren und die Exportmärkte in anderen Regionen der Welt zu diversifizieren. „Wir wollen die Exporte in andere Länder bis 2036 verdoppeln“, sagte Carney und verwies dabei auf 12 neue Handelsabkommen, die Kanada innerhalb von sechs Monaten mit verschiedenen Nationen geschlossen hat.
Droht eine politische Krise um den F-35-Kauf?
Ein besonders heikles Thema könnte der geplante Kauf von F-35-Kampfjets aus den USA sein. Der neue kanadische Verteidigungsminister hatte angedeutet, dass Kanada möglicherweise nach Alternativen zu den F-35 Jets suchen könnte. Dies führte zu ernsten Spannungen, da der Kauf dieser Jets Teil einer langfristigen Zusammenarbeit zwischen den USA und Kanada im Rahmen des NORAD (North American Air Defense Command) ist.
US-Botschafter warnt vor Konsequenzen
Pete Hoekstra, der US-Botschafter in Kanada, reagierte auf die Überlegungen Carneys, den Kauf von F-35-Jets abzulehnen, mit deutlichen Worten. „Wenn Kanada diese Fähigkeit nicht mehr bereitstellt, müssen wir diese Lücken füllen“, erklärte Hoekstra. Der US-Botschafter betonte, dass Kanada für die Sicherung des nordamerikanischen Luftraums eine Schlüsselrolle spiele. Ohne die F-35-Kampfjets, so Hoekstra, müssten die USA möglicherweise mehr Jets anschaffen und ihren Einsatz verstärken, um Bedrohungen abzuwenden.
Verhärtete Fronten und geopolitische SpannungenDie geopolitischen Spannungen zwischen Kanada und den USA nahmen weiter zu. Besonders die Äußerungen Donald Trumps über Grönland sorgten für Unruhe. Trump hatte mehrfach angedeutet, Grönland, das geografisch zu Dänemark gehört, annektieren zu wollen. Diese Bemerkungen, zusammen mit der Drohung, Kanada zum 51. Bundesstaat der USA zu machen, sorgten für Unmut bei den kanadischen Behörden und der Öffentlichkeit.
