Edelmetalle steigen weiter auf historische Höchststände

Von Heinz Gerhard Schwind
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Misstrauen gegenüber US-Finanzmärkten treibt Kurse in die Nähe zur 5.000-Dollar-Marke bei Gold und zur 100-Dollar-Schwelle bei Silber

Die internationalen Edelmetallmärkte befinden sich weiterhin in einem ausgeprägten Aufwärtstrend. Gold, Silber und Platin erreichen neue Rekordniveaus, angetrieben von wachsender Unsicherheit über die wirtschaftliche und politische Stabilität der Vereinigten Staaten. Anleger ziehen zunehmend Kapital aus US-Vermögenswerten ab und parken es in physischen Sachwerten. Der Goldpreis kletterte zeitweise um 0,6 Prozent auf 4.967,03 US-Dollar je Feinunze und rückte damit dicht an die vielbeachtete Schwelle von 5.000 US-Dollar heran. Silber sprang um 3,3 Prozent auf 99,37 US-Dollar je Feinunze, während Platin mit einem Anstieg von bis zu 2,1 Prozent bei 2.684,43 US-Dollar gehandelt wurde.

Politische Risiken verstärken Nachfrage nach sicheren Anlagen

Aus Sicht vieler Marktteilnehmer ist der Preisanstieg weniger das Ergebnis kurzfristiger Spekulation, sondern Ausdruck einer tiefgreifenden Vertrauenskrise. Die außen- und handelspolitischen Signale aus Washington gelten als schwer kalkulierbar. Hinzu kommen Sorgen um die institutionelle Unabhängigkeit der Geldpolitik in den USA. Besonders die Diskussionen über möglichen politischen Einfluss von US-Präsident Donald Trump auf die Federal Reserve sorgen für Nervosität.

Kyle Rodda, leitender Marktanalyst bei Capital.com, beschreibt die Lage deutlich und erklärt wörtlich: „Das Vertrauen in die USA und ihre Vermögenswerte ist angeschlagen, und genau das lenkt Investitionsströme in Edelmetalle.“

Schwäche des US-Dollars als zusätzlicher Preistreiber

Parallel zur politischen Unsicherheit verliert der US-Dollar weiter an Wert. Der Dollar-Index liegt seit Beginn des Jahres 2025 mehr als neun Prozent im Minus. Diese Entwicklung wirkt wie ein zusätzlicher Katalysator für die Edelmetallpreise. Da Gold und Silber in US-Dollar notieren, werden sie für Käufer aus anderen Währungsräumen günstiger, was die internationale Nachfrage weiter erhöht.

Gold mit außergewöhnlicher Jahresbilanz

Die aktuelle Rally knüpft an eine bereits außergewöhnliche Entwicklung an. Im Jahr 2025 verteuerte sich Gold um rund 65 Prozent und verzeichnete damit den stärksten Jahresanstieg seit 1979. Auch der Start ins Jahr 2026 verlief äußerst dynamisch. Innerhalb der ersten 16 Handelstage legte der Goldpreis um knapp 15 Prozent zu.

Als zentrale Treiber gelten anhaltende geopolitische Spannungen, darunter Konflikte im Nahen Osten, Unsicherheiten rund um den Iran sowie wiederkehrende Handelskonflikte zwischen den USA und europäischen Staaten. Zwar hatte Donald Trump zuletzt einige Zolldrohungen im Zusammenhang mit Grönland zurückgenommen, doch diese Entspannung wirkte am Edelmetallmarkt nur kurzfristig. Bereits kurz darauf setzte sich der Aufwärtstrend fort.

Silber profitiert von Industrie und Sicherheitsfunktion

Noch dynamischer entwickelte sich zuletzt der Silberpreis. Anders als Gold wird Silber nicht nur als Wertaufbewahrungsmittel genutzt, sondern spielt auch eine zentrale Rolle in zahlreichen industriellen Anwendungen. Dazu zählen unter anderem Halbleiter, Energiespeicher, Photovoltaik, Robotik und Technologien rund um Künstliche Intelligenz.

Diese doppelte Nachfragebasis spiegelt sich in der Preisentwicklung wider. Im Jahr 2025 legte Silber um nahezu 150 Prozent zu. Seit Jahresbeginn 2026 kamen weitere 38 Prozent hinzu. Marktbeobachter halten es inzwischen für realistisch, dass die Marke von 100 US-Dollar je Feinunze in absehbarer Zeit überschritten wird.

Edelmetalle als Gradmesser globaler Krisen

Historisch gelten Edelmetalle als verlässlicher Indikator für geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Risiken. Kriege, Handelskonflikte, Währungsschwankungen und institutionelle Unsicherheiten führen regelmäßig zu einer steigenden Nachfrage nach Gold und Silber. Die aktuellen Rekordstände spiegeln daher weniger Euphorie als vielmehr Vorsicht wider.

Während Aktien- und Anleihemärkte zunehmend von politischen Entscheidungen beeinflusst werden, sehen viele Investoren in Edelmetallen eine Absicherung gegen systemische Risiken. Die derzeitigen Preisniveaus unterstreichen diese Funktion eindrucksvoll.

Anhaltend hohe Nachfrage trotz möglicher Rücksetzer

Kurzfristige Korrekturen bleiben jederzeit möglich, doch die grundlegenden Faktoren sprechen weiterhin für eine hohe Nachfrage nach Edelmetallen. Solange geopolitische Konflikte, wirtschaftliche Unsicherheiten und Zweifel an der Stabilität großer Finanzsysteme bestehen, dürften Gold, Silber und Platin eine zentrale Rolle in den Portfolios vieler Anleger spielen.Die Nähe zur 5.000-US-Dollar-Marke bei Gold und zur 100-US-Dollar-Schwelle bei Silber verdeutlicht, wie stark der Markt derzeit von Sicherheitsüberlegungen geprägt ist.

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