Trump provoziert in Davos mit Grönland-Ambitionen

Von Karin Gutmann
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Der Auftritt von US-Präsident Donald Trump beim World Economic Forum (WEF) in Davos hat das Jahrestreffen der politischen und wirtschaftlichen Elite weit über ökonomische Fragen hinaus geprägt. Statt Investitionen, Wachstum oder Inflation dominierten geopolitische Spannungen, scharfe Worte gegenüber Verbündeten und vor allem Trumps erneut geäußerte Ambitionen in Bezug auf Grönland die internationale Debatte. Beobachter sprechen von einem der politisch aufgeladensten Auftritte eines US-Präsidenten in Davos seit Jahren.

Ein Gipfel unter geopolitischer Hochspannung

Zum WEF 2026 reisten rund 3.000 Teilnehmer aus etwa 130 Ländern in den Schweizer Wintersportort. Schon im Vorfeld war klar, dass die Veranstaltung stark von sicherheitspolitischen Fragen überschattet sein würde. Einen Tag vor Trumps Rede hatte Kanadas Premierminister Mark Carney mit einer viel beachteten Ansprache erklärt, die alte regelbasierte Weltordnung sei nicht mehr tragfähig und werde nicht zurückkehren.

Vor diesem Hintergrund wurde Trumps Rede von vielen als bewusste Machtdemonstration verstanden. Er nutzte die Bühne, um seine außenpolitische Linie zu verteidigen, wirtschaftlichen Druck auf Partnerländer zu rechtfertigen und seine Sicht auf globale Machtverhältnisse unmissverständlich darzulegen.

Handelspolitik und Angriffe auf Kanada

Ein zentrales Thema war erneut Trumps aggressive Handelspolitik. Der Präsident stellte Zölle als wirksames Instrument dar, um Industrieproduktion in die USA zurückzuholen. Dabei nahm er Kanada mehrfach ins Visier und verwies auf angebliche Erfolge seiner Politik.

Trump sagte wörtlich:
Sie kommen aus Kanada, sie kommen aus Mexiko, aus Japan. Japan baut Werke hier, um Zölle zu vermeiden.

Er bezeichnete Schwierigkeiten in der kanadischen Autoindustrie als Beleg dafür, dass seine Strategie funktioniere. Tatsächlich wurden Montagewerke in Brampton und Ingersoll in Ontario zeitweise stillgelegt, nachdem die Handelskonflikte eskaliert waren. Zudem kündigten Unternehmen wie General Motors sowie der Stellantis-Konzern neue Investitionen in den USA an.

Ein Blick auf die Zahlen relativiert Trumps Darstellung

Offizielle US-Statistiken zeichnen allerdings ein weniger eindeutiges Bild. Vorläufige Daten des U.S. Bureau of Labor Statistics zeigen, dass die Beschäftigung in der amerikanischen Autoindustrie im vergangenen Jahr insgesamt zurückging. Trotz einzelner Investitionsankündigungen blieb der versprochene breite Beschäftigungszuwachs aus, was Trumps Erfolgserzählung widerspricht.

Dennoch nutzte der Präsident diese Beispiele, um seine Zollpolitik als strategischen Sieg darzustellen und Verbündeten indirekt klarzumachen, dass wirtschaftlicher Druck aus seiner Sicht ein legitimes Mittel der Außenpolitik ist.

Grönland rückt erneut ins Zentrum

Besonders brisant waren Trumps wiederholte Äußerungen zu Grönland. Obwohl erwartet worden war, dass er sich auf Wirtschaftsthemen konzentrieren würde, kehrte er immer wieder zu der arktischen Insel zurück, die zwischen Arktischem und Atlantischem Ozean liegt.

Über die Menschen dort sagte Trump:
Sie liebten mich. Sie nannten mich Daddy.

Unklar blieb, ob er sich auf konkrete Begegnungen oder allgemeine Reaktionen bezog. Die Aussage sorgte im Saal für hörbares Raunen und international für Kopfschütteln.

Trump bezeichnete Grönland als strategisch unverzichtbar und erklärte, er verlange lediglich „ein Stück Eis, kalt gelegen, aber entscheidend für den Weltfrieden und den Schutz der Welt“. Gemessen an den jahrzehntelangen Leistungen der USA für Europa sei dies, so Trump, eine sehr geringe Forderung.

Historische Argumente und provokante Vergleiche

Der US-Präsident griff tief in die Geschichte, um seine Argumentation zu untermauern. Er erinnerte daran, dass Dänemark im Zweiten Weltkrieg nach nur sechs Stunden kapituliert habe und nicht in der Lage gewesen sei, Grönland selbst zu verteidigen. Die USA hätten damals eingegriffen, Grönland gesichert und nach dem Krieg zurückgegeben.

Wie dumm waren wir, das zurückzugeben?“, fragte Trump provokant.
Zugleich betonte er: „Ich will keine Gewalt anwenden. Ich werde keine Gewalt anwenden.

Gleichzeitig verwies er auf eine deutlich gefährlichere Weltlage mit modernen Raketen, nuklearen Bedrohungen und Waffensystemen, „über die ich nicht einmal sprechen kann“.

Offene Spitze gegen Mark Carney

Trump reagierte in Davos auch direkt auf die Rede von Mark Carney. Ohne diplomatische Zurückhaltung sagte er:
Kanada lebt wegen der Vereinigten Staaten. Denk daran, Mark, wenn du das nächste Mal solche Aussagen machst.

Er stellte klar, dass Kanada aus seiner Sicht stark vom militärischen Schutz der USA profitiere. Das geplante amerikanische Raketenabwehrsystem Golden Dome werde Kanada allein aufgrund der geografischen Lage mit schützen.

Kanada bekommt viele Geschenke. Sie sollten dankbar sein, sind es aber nicht“, erklärte Trump und kritisierte, Carney habe sich in Davos nicht ausreichend dankbar gezeigt.

Kein Treffen zwischen Trump und Carney

Bemerkenswert war auch das demonstrative Ausbleiben eines Treffens zwischen den beiden Regierungschefs. Mark Carney verließ Davos, noch bevor Trump per Hubschrauber eintraf. Das Büro des Premierministers bestätigte später, dass es keine Begegnung gegeben habe.

Kanadas Handelsminister Maninder Sidhu erklärte dies mit organisatorischen Gründen. In Kanada stünden wichtige Termine an, darunter die Wiederaufnahme der Parlamentsarbeit sowie eine Kabinettsklausur. Zugleich betonte Sidhu, die kanadische Delegation habe ihre Ziele in Davos erreicht und Gespräche mit internationalen Wirtschaftsvertretern geführt, die Investitionen in Kanada planen.

Gedämpfte Performance, harte Botschaften

Beobachter stellten fest, dass Trump sich ungewöhnlich eng an das Redemanuskript hielt und weniger improvisierte als sonst. Seine Stimme wirkte müde, was mit einem verspäteten Nachtflug aus den USA erklärt wurde. In den Stunden zuvor hatte Trump jedoch erneut mit provokanten Beiträgen in sozialen Netzwerken für Aufsehen gesorgt, darunter KI-generierte Karten, die die US-Flagge über Kanada, Grönland und Venezuela zeigten.

Inhaltlich griff Trump Europa mehrfach an und sagte, der Kontinent entwickle sich „nicht in die richtige Richtung“. Gleichzeitig verwies er auf seine europäischen Wurzeln und erklärte:
Wir glauben an die Bindungen, die wir mit Europa teilen. Als Zivilisation will ich, dass es Europa gut geht.

Er rief zu einem starken und geeinten Westen auf, verband diesen Appell jedoch mit scharfer Kritik an Migration und politischer Entwicklung in Europa.

Davos als Spiegel einer neuen Weltlage

Trumps Auftritt machte deutlich, wie tief die Risse im transatlantischen Verhältnis inzwischen sind. Während Mark Carney in Davos zur Zusammenarbeit mittelgroßer Staaten aufrief, setzte Trump auf nationale Stärke, wirtschaftlichen Druck und provokante Rhetorik.Die Diskussion um Grönland, Zölle und Sicherheit zeigt, dass das World Economic Forum längst mehr ist als ein Wirtschaftstreffen. Davos ist zu einer Bühne globaler Machtpolitik geworden, auf der sich neue Konfliktlinien offenbaren und alte Gewissheiten weiter erodieren.

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