Deutschlands Wirtschaft rutscht tiefer in die Insolvenzkrise

Von Heinz Gerhard Schwind
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Unternehmenspleiten auf dem höchsten Niveau seit Jahrzehnten

Die wirtschaftliche Abwärtsspirale in Deutschland beschleunigt sich. Was lange als vorübergehende Schwächephase galt, hat sich zu einer strukturellen Krise ausgeweitet. Nach Berechnungen des Institut für Wirtschaftsforschung Halle wurden zuletzt 17.604 Unternehmensinsolvenzen registriert – mehr als in der Finanzkrise 2009 und so viele wie seit rund 20 Jahren nicht mehr. Für das laufende Jahr rechnen Ökonomen nicht mit Entspannung, sondern mit einer weiteren Zuspitzung.

Schon die Monatsdaten lassen keinen Zweifel am Trend. Das Statistische Bundesamt meldete für Dezember einen Anstieg der Firmenpleiten um 15,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Beobachter sprechen längst nicht mehr von einer Delle, sondern von einer wirtschaftlichen Erosion, die sich durch nahezu alle Branchen frisst.

Milliardenschäden und eine Insolvenzwelle ohne Boden

Mit jeder neuen Pleite wachsen die finanziellen Folgekosten. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform beziffert die Forderungsausfälle bereits auf 57 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr prognostizieren die Experten sogar bis zu 24.000 Insolvenzen, sollte es bei den aktuellen Rahmenbedingungen bleiben.

Dabei geht es längst nicht mehr nur um konjunkturelle Schwächen. Hohe Energiepreise, eine ausufernde Bürokratie, steigende Steuern und Abgaben sowie eine chronisch schwache Investitionstätigkeit haben sich zu einer toxischen Mischung verbunden. Viele Betriebe kämpfen nicht mehr um Wachstum, sondern schlicht ums Überleben.

Investoren wenden sich vom Standort Deutschland ab

Besonders alarmierend ist der Vertrauensverlust bei Kapitalgebern. Die Unternehmensberatung Falkensteg berichtet, dass potenzielle Investoren zunehmend grundsätzlich Abstand von Engagements in Deutschland nehmen. Sanierungskonzepte scheitern nicht an fehlenden Ideen, sondern an fehlendem Geld.

Der Standort gilt vielen als zu teuer, zu unflexibel und zu politisch risikobehaftet. Wer heute noch Kapital einsetzt, tut dies oft nur zögerlich oder mit drastischen Renditeforderungen. Für viele angeschlagene Unternehmen kommt diese Zurückhaltung einem Todesurteil gleich.

Bekannte Marken verschwinden – die Innenstädte veröden

Die Folgen sind im Alltag längst sichtbar. Traditionsreiche Namen aus Handel und Mode sind verschwunden oder stehen kurz davor. Görtz, Gerry Weber, Wormland, Esprit, Closed oder der Zoofachhändler Zajac sind Beispiele für Unternehmen, die den wirtschaftlichen Druck nicht mehr aushielten. Warenhausketten wie Galeria kämpfen erneut um ihre Existenz.

Mit jedem verschwundenen Geschäft verlieren Städte nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Kaufkraft und Attraktivität. Leerstände breiten sich aus, Innenstädte veröden, kommunale Einnahmen brechen weg – eine Abwärtsspirale, die sich selbst verstärkt.

Industrie im Würgegriff von Kosten und Konkurrenz

Noch dramatischer ist die Lage in der Industrie. Der Verband der Chemischen Industrie meldet eine Auslastung der Produktionsanlagen von lediglich rund 70 Prozent. Unter diesen Bedingungen ist wirtschaftliches Arbeiten kaum möglich. Gleichzeitig steigen die Energiepreise weiter, und zusätzliche Belastungen durch CO₂-Zertifikate zeichnen sich bereits ab.

Auch die Automobilindustrie und ihre Zulieferer geraten zunehmend unter Druck. Absatzschwächen in wichtigen Märkten, technologische Umbrüche und aggressive Konkurrenz aus China setzen deutsche Hersteller massiv unter Zugzwang. Für viele Mittelständler bedeutet das Kurzarbeit, Werksschließungen oder Insolvenz. Allein 2025 verloren rund 170.000 Beschäftigte insolventer Firmen ihren Arbeitsplatz.

China wird zum doppelten Problem

Der internationale Wettbewerb verschärft die Krise zusätzlich. Einerseits brechen Exporte nach China ein, andererseits drängen chinesische Anbieter als preisaggressive Konkurrenten auf die Weltmärkte. Maschinenbau und Automobilindustrie, jahrzehntelang Stützen des deutschen Wohlstands, tragen inzwischen selbst zum Rückgang des Bruttoinlandsprodukts bei.

Mit jeder Betriebsschließung geht wertvolles Know-how verloren. Lieferketten reißen, Innovationskraft verschwindet, und abhängige Unternehmen geraten ebenfalls in Schieflage. Der industrielle Kern des Landes beginnt sichtbar zu bröckeln.

Gesundheitswesen vor dem Kollaps

Besonders brisant ist die Entwicklung im Gesundheitssektor. Rund 80 Prozent der deutschen Krankenhäuser schreiben rote Zahlen. Steigende Energie- und Personalkosten treffen auf unzureichende Erstattungen der Krankenkassen. Immer mehr Kliniken melden Insolvenz an oder flüchten sich in Schutzschirmverfahren.

Schließen diese Häuser dauerhaft, drohen Versorgungslücken, vor allem in ländlichen Regionen. Häufig springen Länder oder Kommunen ein – letztlich finanziert der Steuerzahler diese Rettungen zusätzlich zu steigenden Krankenversicherungsbeiträgen. Die Krise des Gesundheitswesens wird damit zur sozialen Zeitbombe.

Gesellschaftliche Folgeschäden nehmen dramatisch zu

Die wirtschaftlichen Verwerfungen wirken weit über einzelne Branchen hinaus. Arbeitsplatzverluste dämpfen den Konsum, schwächen den Einzelhandel und ziehen weitere Insolvenzen nach sich. Gastronomie, Kultur- und Freizeitangebote verschwinden, ganze Regionen verlieren an Lebensqualität.

Was sich hier abzeichnet, ist mehr als eine wirtschaftliche Schwächephase. Es ist ein struktureller Niedergang, dessen Folgen den Alltag von Millionen Menschen prägen. Ein umfassender wirtschaftspolitischer Kurswechsel wäre nötig – doch bislang deutet wenig darauf hin, dass dieser rechtzeitig kommt.

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