Trumps Vorstoß: Zinsobergrenze für Kreditkarten 

Von Heinz Gerhard Schwind
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Politischer Paukenschlag zum Amtsbeginn

Mit einer überraschend weitreichenden Ankündigung hat Donald Trump die US-Finanzbranche aufgeschreckt. Der Präsident will Kreditkartenzinsen staatlich begrenzen. Ab dem 20. Januar soll für zwölf Monate ein Höchstsatz von 10 Prozent gelten. Ziel sei es, private Haushalte vor ausufernden Zinslasten zu schützen. Wie ein solcher Eingriff rechtlich umgesetzt werden könnte, ließ Trump zunächst offen.

Der Präsident argumentiert, ein erheblicher Teil der US-Bevölkerung lebe ohne finanzielle Rücklagen und sei auf Kreditkarten angewiesen. Hohe Zinsen würden das verfügbare Einkommen Monat für Monat weiter aushöhlen. Der geplante Zinsdeckel solle das Leben wieder „bezahlbar“ machen.

Realität am Markt: Zinsen weit über dem geplanten Limit

Die Dimension des Vorhabens zeigt sich beim Blick auf aktuelle Daten. Nach Angaben der Federal Reserve lag der durchschnittliche Zinssatz für Kreditkarten zwischen Ende 2023 und Ende 2024 bei 21,5 Prozent. Trumps Vorschlag würde damit einen Einschnitt von mehr als 11 Prozentpunkten bedeuten.

Für Verbraucher klingt das nach Entlastung. Für Banken hingegen steht ein zentraler Ertragspfeiler zur Disposition. Kreditkartenzinsen dienen nicht nur der Marge, sondern auch als Ausgleich für Zahlungsausfälle – ein Risiko, das im US-Markt traditionell hoch ist.

Finanzbranche warnt vor drastischen Nebenwirkungen

Entsprechend deutlich fiel die Reaktion der Institute aus. Banken und Interessenverbände warnten vor „schweren Folgen für Millionen amerikanischer Familien und kleine Unternehmen“. Eine starre Obergrenze zwinge Kreditgeber, ihr Risiko neu zu bewerten. Die Konsequenz sei eine deutlich restriktivere Kreditvergabe.

Hinter den Kulissen heißt es, dass vor allem Haushalte mit schwächerer Bonität betroffen wären. Wenn Risiken nicht mehr über höhere Zinsen abgefedert werden könnten, bliebe Banken oft nur der Rückzug aus bestimmten Kundensegmenten.

Ein abrupter Richtungswechsel in der Wirtschaftspolitik

Politisch markiert Trumps Kurs einen auffälligen Bruch mit früheren Positionen. Noch vor Kurzem hatte er Debatten über steigende Lebenshaltungskosten als überzogen zurückgewiesen. Nun greift er den Begriff der „Erschwinglichkeit“ offensiv auf und kündigt mehrere Eingriffe in bestehende Marktmechanismen an.

Neben dem Zinsdeckel stellte Trump auch Maßnahmen in Aussicht, die institutionellen Investoren den Kauf von Einfamilienhäusern untersagen sollen. Ziel sei es, privaten Käufern den Zugang zum Wohnungsmarkt zu erleichtern. Konkrete Details zu beiden Vorhaben fehlen bislang.

Zeitpunkt mit Blick auf die Midterms

Der Vorstoß kommt wenige Monate vor den Kongresswahlen im November. Bei den Midterms werden sämtliche 435 Sitze im Repräsentantenhaus sowie rund ein Drittel des Senats neu vergeben. Derzeit verfügen die Republikaner nur über knappe Mehrheiten. Ein Machtverlust würde Trumps verbleibende Amtszeit erheblich erschweren.

Beobachter sehen in der Initiative daher auch ein wahlstrategisches Signal an einkommensschwächere Wählergruppen, die besonders unter hohen Kreditkosten leiden.

Börsen reagieren mit Kursverlusten

Die Finanzmärkte reagierten umgehend. Aktien großer Kreditkartenanbieter und Banken gerieten unter Druck. In den USA verloren American Express vorbörslich 4,4 Prozent und fielen auf 359,00 US-Dollar. Visa gaben 1,6 Prozent auf 344,24 US-Dollar nach, Mastercard sanken um 1,8 Prozent auf 565,37 US-Dollar.

Auch europäische Institute mit starker Präsenz im US-Markt blieben nicht verschont. Besonders deutlich traf es Barclays, deren Aktie um 3,1 Prozent auf 469,75 Pence nachgab. Banco Santander und Société Générale verloren jeweils 1,7 Prozent. Die Deutsche Bank verbuchte ein moderateres Minus von 0,5 Prozent auf 32,89 Euro.

Analysten sehen Umbruch der Geschäftsmodelle

Der Marktanalyst Matt Britzman von Hargreaves Lansdown wies darauf hin, dass ein Zinslimit von zehn Prozent etwa die Hälfte des derzeitigen Durchschnittsniveaus entspreche. Damit würden Banken gezwungen, ihre Kreditpolitik und ihr Risikomanagement grundlegend neu auszurichten.

Britzman rechnet mit mehreren Reaktionen: niedrigere Kreditrahmen, die Schließung besonders riskanter Konten sowie Einschnitte bei Bonus- und Prämienprogrammen. Besonders anfällig seien stark auf Kreditkarten spezialisierte Unternehmen in den USA, aber auch große Universalbanken mit umfangreichen Kartensparten.

Unsicherheit belastet Branche nachhaltig

Auch Marktstrategen wie Neil Wilson von Saxo Markets sehen in Trumps Vorstoß einen tiefen Eingriff in die US-Wirtschaft. Selbst wenn die Umsetzung unklar bleibe, reiche die Ankündigung aus, um Bewertungen zu belasten. Betroffen seien nicht nur Banken, sondern auch Zahlungsdienstleister und Konsumfinanzierer.

Klar ist: Der geplante Zinsdeckel verändert die Spielregeln des Kreditkartenmarktes grundlegend. Während Verbraucher kurzfristig entlastet werden könnten, drohen langfristig strengere Kreditbedingungen und eine spürbare Verschiebung der Risiken innerhalb des Finanzsystems.

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